{"id":1000,"date":"2017-03-01T16:52:43","date_gmt":"2017-03-01T16:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/?p=1000"},"modified":"2017-03-01T19:00:34","modified_gmt":"2017-03-01T19:00:34","slug":"brauchen-wir-noch-mehr-verbote","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/?p=1000","title":{"rendered":"Brauchen wir noch mehr Verbote?"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ich will Verbote!&#8221; forderte neulich ein hochintellektueller, vor weinerlicher Selbstkritik nur so strotzenden Artikel aus der ZEIT (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2017\/07\/konsumverhalten-nachhaltigkeit-vernunft-verschwendung-bequemlichkeit\" target=\"_blank\">http:\/\/www.zeit.de\/2017\/07\/konsumverhalten-nachhaltigkeit-vernunft-verschwendung-bequemlichkeit<\/a>).&nbsp;<\/p>\n<p>Aber wozu braucht unsere Gesellschaft noch mehr Verbote? Haben wir nicht schon genug? Machen die \u00fcberhaupt alle Sinn? In Potsdam ist es zum Beispiel verboten, einen Chihuahua ohne Maulkorb in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen. Wegen der Vogelgrippe ist es mir seit drei Wochen verboten, meine Katzen rauszulassen, obwohl nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen ist, dass Katzen oder Hunde das H5N8-Virus \u00fcbertragen &#8211; oder wie die \u00dcbertragung generell funktioniert. Hauptsache, man hat eine G\u00e4ngel-Verordnung rausgehauen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, weil man nicht die Eier hat, dem&nbsp;urs\u00e4chlichen&nbsp;Problem auf den Grund zu gehen. Millionen Enten, H\u00fchner und G\u00e4nse werden in qualvoller Massen-Tierhaltung zusammengepfercht, sind geschw\u00e4cht und dementsprechend anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten wie die Vogelgrippe (die von mehreren Millionen Wild- und Zugv\u00f6geln bisher nur ein paar Hundert erledigt hat, falls das irgendjemandem aufgefallen sein sollte). Trotzdem wird mit dem Finger auf Wildv\u00f6gel und Katzen gezeigt, w\u00e4hrend in den Mastst\u00e4llen die Seuche unvermindert weiter grassiert und verseuchter H\u00fchnermist auf die Felder gekippt wird. Aber um sich mit der massentierhaltenden Gefl\u00fcgelindustrie anzulegen, sind unsere Politiker offensichtlich zu bequem.<\/p>\n<p>Genau darum geht es in diesem Artikel &#8211; Bequemlichkeit. Der Autor &#8211; ich lasse jetzt meinen Vorurteilen frei Lauf &#8211; wahrscheinlich \u00f6ko-linker Hipster in einer post-pubert\u00e4ren Sinnkrise, maximal&nbsp;29 Jahre alt, hofft heimlich auf eine Stelle als Senior-Praktikant in der Lifestyle-Redaktion und w\u00fcrde sich am liebsten selbst auspeitschen, weil er ausnahmsweise einen Plastik-verpackten Fertigsalat mit einer Plastik-Gabel gemampft hat. Davor war es &#8211; Oh mein Gott! &#8211; eine Currywurst in der Kantine. Ich denke daran, was ich heute in der Kantine gegessen habe, und m\u00fcsste mich jetzt eigentlich selber durch den Fleischwolf drehen, weil ich mir kein selbst gekochtes Bio-Essen mitgebracht habe. Leider habe ich dazu keine Lust ;).<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend unser Weltschmerz-geplagter Nachwuchs-Autor die Bequemlichkeit von Otto-Normalverbraucher anprangert, weil der sich jeden Tag seine plastik-verpackte Mikrowellen-Suppe reinsch\u00fcttet, erw\u00e4hnt er die eigentlichen Verursacher des westlichen Konsumterrors mit keinem einzigen Wort. Kein Wunder, es ist ja auch bequemer, dem B\u00fcrger Verbote aufzudr\u00fccken, als einem global operierenden Konzern.<\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">In einem Punkt gehe ich allerdings mit: es gibt eindeutig zu viel M\u00fcll auf der Welt. Auch geistigen &#8211; und dazu z\u00e4hlt f\u00fcr mich dieser Artikel. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">&#8220;Liebe Angela Merkel, lieber Staat, liebe EU, liebe Weltregierung, ich fordere euch hiermit auf: Verbietet mir, was ich gerne haben m\u00f6chte, aber besser nicht haben sollte &#8230;&#8221; Ja, sind wir denn Babys, dass man uns das Denken abnehmen muss, weil wir keine eigenen Entscheidungen treffen k\u00f6nnen? Und wer soll sie dann f\u00fcr uns treffen? Politiker, die mitverantwortlich sind, dass tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen werden, weil sie irgendwelchen schwachsinnigen EU-Normen nicht entsprechen? Politiker, die fragw\u00fcrdige Gesetze wie die Gefl\u00fcgelpest-Verordnung erlassen, wodurch hunderttausende Enten, G\u00e4nse und H\u00fchner sinnlos geschlachtet werden? Oder &#8220;schlaue&#8221; Leute wie dieser Autor? <\/span><\/span><\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">&#8220;Macht \u00d6kostrom zur Pflicht!&#8221;, fordert er. Jawoll, die V\u00f6gel, die durch Windr\u00e4der geschreddert werden, die Fische, die das Abwasser aus chinesischen Solarzellen-Fabriken schlucken d\u00fcrfen und die Pflanzen, die f\u00fcr sogenannten Biosprit zermatscht werden, freuen sich jetzt schon. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Ich streite nicht ab, dass die meisten Menschen faule, bequeme Kreaturen sind und wir Konsumenten mehr Verantwortung \u00fcbernehmen sollten. Aber das Hauptproblem ist m.E. nicht der Endkonsument, der mal aus Bequemlichkeit einen fertig verpackten Salat oder Coffee to Go mitnimmt &#8211; sondern die Konzerne, die so etwas \u00fcberhaupt herstellen. Oder hat irgendjemand Kaffeekapseln vermisst, bevor sie von Senseo auf den Markt geschmissen wurden? Hat sich irgendjemand einzeln verpackte Schoko-Pralinen gew\u00fcnscht?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Wer nicht ausschlie\u00dflich beim Bio-Bauern um die Ecke kauft, kann (Plastik)-M\u00fcll leider kaum vermeiden &#8211; selbst wenn man es m\u00f6chte.&nbsp;Ich finde das auch schei\u00dfe und ich trenne meinen M\u00fcll, weil es mir wenigstens ein bisschen gutes Gef\u00fchl gibt, was f\u00fcr die Umwelt getan zu haben. Ob wohl ich mal geh\u00f6rt habe, dass dieser sorgf\u00e4ltig getrennte M\u00fcll am Ende auch nur zusammengekippt und verbrannt wird <span title=\"\u201efrown\u201c-Emoticon\" class=\"_47e3 _5mfr\"><span class=\"_7oe\">\ud83d\ude41<\/span><\/span>. Mir w\u00e4re es viel lieber, ich h\u00e4tte gar keinen M\u00fcll zum trennen. Meine Mutter ist noch mit dem Einkaufnetz und der Milchkanne in den n\u00e4chsten Tante-Emma-Laden gegangen, Wurst und K\u00e4se wurden in Papier und alten Zeitungen verpackt. Geht doch auch! Wenn die Superm\u00e4rkte keine Plastikt\u00fcten, sondern nur noch Stoffbeutel anbieten w\u00fcrden, gebe es schon viel weniger Plastikm\u00fcll, ohne dass man die Kunden g\u00e4ngeln m\u00fcsste.&nbsp;Wenn der Konsum nicht st\u00e4ndig durch aggressive Werbung, &#8220;Sollbruchstellen&#8221; in technischen Ger\u00e4ten&nbsp;etc. k\u00fcnstlich angeheizt w\u00fcrde, k\u00e4me niemand auf die Idee, irgendwas zu kaufen, was er gar nicht braucht oder WIRKLICH haben will. <\/span><\/span><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich&nbsp;w\u00e4re es f\u00fcr Tiere und Umwelt besser, wenn wir weniger Fleisch essen. Aber selbst Vegatarier und Veganer haben keinen Grund, sich moralisch aufs hohe Ross zu setzen, angesichts der vielen Kleintiere, die auf Getreide- oder Gem\u00fcse-Feldern durch Entemaschinen und Pestizide gekillt werden.<\/p>\n<p>Das Schlimme ist: Wir haben heutzutage kaum noch die M\u00f6glichkeit, ethisch zu konsumieren. Irgendein menschen- oder tierfeindlich hergestellter Dreck schleicht sich immer dazwischen &#8211; und meistens&nbsp;bemerken wir es nicht einmal. Wir beruhigen unser Gewissen mit Fair gehandeltem Bio-Kaffee, den wir in der B\u00fcro-Kaffeemaschine kochen, wovon zumindest Einzelteile in&nbsp;China hergestellt wurden, w\u00e4hrend der Strom aus dem Atomkraftwerk kommt.<\/p>\n<p>Das soll jetzt kein Aufruf sein, weiterhin jeden Mist zu konsumieren und sich mit Fleisch aus Massentierhaltung vollzustopfen, weil wir ja sowieso nix \u00e4ndern k\u00f6nnen. Der Boykott bestimmter Produkte wie Billig-Kaffee oder Plastikt\u00fcten ist sicherlich ein Anfang &#8211; aber erst mal nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Damit k\u00f6nnen wir symbolische Zeichen setzen, die vielleicht irgendwann was bewirken, wenn genug Leute mitmachen. W\u00e4ren Einwegbecher, Plastik-Gabeln, Kaffeekapseln und zu viel Autoverkehr unsere einzigen Probleme, k\u00f6nnten wir mit einem bewussteren Konsumverhalten tats\u00e4chlich die Welt retten.<\/p>\n<p>Ein weitaus schlimmeres \u00dcbel d\u00fcrfte jedoch die umweltzerst\u00f6rende Billigproduktion im Ausland sein. Aber um die zu boykottieren und statt dessen was Hochwertiges zu kaufen, braucht man erst mal das n\u00f6tige Kleingeld. Nachhaltigkeit, wenn man sie ernsthaft leben will, ist ein Luxus. Erz\u00e4hlt mal einem Hartz-IV-Empf\u00e4nger oder Geringverdiener, dass er seine Klamotten nicht bei Kik kaufen darf, weil die von Kindern in Bangladesh zusammen getackert werden, nachdem man ein paar Hektar Regelwald f\u00fcr die Baumwolle abgeholzt hat. Er wird sagen: &#8220;Dann sorgt erst mal daf\u00fcr, dass&nbsp;ich nicht mehr jeden Cent umdrehen muss.&#8221;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ich mir auch schon teure, vermeintlich hochwertige Klamotten geleistet, die trotzdem nach sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahren auseinander gefallen sind. Muss doch nicht sein &#8211; Omas Trachten wurden sogar an die n\u00e4chsten Generationen vererbt!<\/p>\n<p>Da sind sie wieder, unsere&nbsp;drei Probleme:<\/p>\n<ol>\n<li>K\u00fcnstlich angeheizter Konsum;<\/li>\n<li>Die Schere zwischen Arm und Reich, die verhindert, dass ein Gro\u00dfteil der Menschen sich fair gehandeltes Bio-Zeug \u00fcberhaupt leisten kann;<\/li>\n<li>Konzerne verkaufen uns M\u00fcll.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mit einem Wort: Kapitalismus.<\/p>\n<p><span data-ft='{\"tn\":\"K\"}'><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Wirtschaft &#8211; auch soziale Markwirtschaft &#8211; kann durchaus mit weniger Konsum funktionieren. Globaler Kapitalismus nicht. Deshalb besteht der einzige Weg, diesen Planeten zu retten, nicht in kleinlichen Verboten &#8211; sondern darin, Kapitalismus und sinnloses Wachstum einzud\u00e4mmen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<div class=\"shariff\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fadriana-wipperling.de%2F%3Fp%3D1000&text=Brauchen%20wir%20noch%20mehr%20Verbote%3F\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#55acee; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fadriana-wipperling.de%2F%3Fp%3D1000\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&url=http%3A%2F%2Fadriana-wipperling.de%2F%3Fp%3D1000&title=Brauchen%20wir%20noch%20mehr%20Verbote%3F\" title=\"Bei LinkedIn teilen\" aria-label=\"Bei LinkedIn teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">mitteilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button info shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#eee\"><a href=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" title=\"Weitere Informationen\" aria-label=\"Weitere Informationen\" role=\"button\" rel=\"noopener \" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#fff; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 11 32\"><path fill=\"#999\" d=\"M11.4 24v2.3q0 0.5-0.3 0.8t-0.8 0.4h-9.1q-0.5 0-0.8-0.4t-0.4-0.8v-2.3q0-0.5 0.4-0.8t0.8-0.4h1.1v-6.8h-1.1q-0.5 0-0.8-0.4t-0.4-0.8v-2.3q0-0.5 0.4-0.8t0.8-0.4h6.8q0.5 0 0.8 0.4t0.4 0.8v10.3h1.1q0.5 0 0.8 0.4t0.3 0.8zM9.2 3.4v3.4q0 0.5-0.4 0.8t-0.8 0.4h-4.6q-0.4 0-0.8-0.4t-0.4-0.8v-3.4q0-0.4 0.4-0.8t0.8-0.4h4.6q0.5 0 0.8 0.4t0.4 0.8z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ich will Verbote!&#8221; forderte neulich ein hochintellektueller, vor weinerlicher Selbstkritik nur so strotzenden Artikel aus der ZEIT (http:\/\/www.zeit.de\/2017\/07\/konsumverhalten-nachhaltigkeit-vernunft-verschwendung-bequemlichkeit).&nbsp; Aber wozu braucht unsere Gesellschaft noch mehr Verbote? Haben wir nicht schon genug? Machen die \u00fcberhaupt alle Sinn? In Potsdam ist es zum Beispiel verboten, einen Chihuahua ohne Maulkorb in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen. Wegen der Vogelgrippe ist es mir seit drei Wochen verboten, meine Katzen rauszulassen, obwohl nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen ist, dass Katzen oder Hunde das H5N8-Virus \u00fcbertragen &#8211; oder wie die \u00dcbertragung generell funktioniert. Hauptsache, man hat eine G\u00e4ngel-Verordnung rausgehauen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, weil man nicht die Eier hat, dem&nbsp;urs\u00e4chlichen&nbsp;Problem auf den Grund zu gehen. Millionen Enten, H\u00fchner und G\u00e4nse werden in qualvoller Massen-Tierhaltung zusammengepfercht, sind geschw\u00e4cht und dementsprechend anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten wie die Vogelgrippe (die von mehreren Millionen Wild- und Zugv\u00f6geln bisher nur ein paar Hundert erledigt hat, falls das irgendjemandem aufgefallen sein sollte). Trotzdem wird mit dem Finger auf Wildv\u00f6gel und Katzen gezeigt, w\u00e4hrend in den Mastst\u00e4llen die Seuche unvermindert weiter grassiert und verseuchter H\u00fchnermist auf die Felder gekippt wird. Aber um sich mit der massentierhaltenden Gefl\u00fcgelindustrie anzulegen, sind unsere Politiker offensichtlich zu bequem. Genau darum geht es in diesem Artikel &#8211; Bequemlichkeit. Der Autor &#8211; ich lasse jetzt meinen Vorurteilen frei Lauf &#8211; wahrscheinlich \u00f6ko-linker Hipster in einer post-pubert\u00e4ren Sinnkrise, maximal&nbsp;29 Jahre alt, hofft heimlich auf eine Stelle als Senior-Praktikant in der Lifestyle-Redaktion und w\u00fcrde sich am liebsten selbst auspeitschen, weil er ausnahmsweise einen Plastik-verpackten Fertigsalat mit einer Plastik-Gabel gemampft hat. Davor war es &#8211; Oh mein Gott! &#8211; eine Currywurst in der Kantine. Ich denke daran, was ich heute in der Kantine gegessen habe, und m\u00fcsste mich jetzt eigentlich selber durch den Fleischwolf drehen, weil ich mir kein selbst gekochtes Bio-Essen mitgebracht habe. Leider habe ich dazu keine Lust ;). Denn w\u00e4hrend unser Weltschmerz-geplagter Nachwuchs-Autor die Bequemlichkeit von Otto-Normalverbraucher anprangert, weil der sich jeden Tag seine plastik-verpackte Mikrowellen-Suppe reinsch\u00fcttet, erw\u00e4hnt er die eigentlichen Verursacher des westlichen Konsumterrors mit keinem einzigen Wort. Kein Wunder, es ist ja auch bequemer, dem B\u00fcrger Verbote aufzudr\u00fccken, als einem global operierenden Konzern. In einem Punkt gehe ich allerdings mit: es gibt eindeutig zu viel M\u00fcll auf der Welt. 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Jawoll, die V\u00f6gel, die durch Windr\u00e4der geschreddert werden, die Fische, die das Abwasser aus chinesischen Solarzellen-Fabriken schlucken d\u00fcrfen und die Pflanzen, die f\u00fcr sogenannten Biosprit zermatscht werden, freuen sich jetzt schon. Ich streite nicht ab, dass die meisten Menschen faule, bequeme Kreaturen sind und wir Konsumenten mehr Verantwortung \u00fcbernehmen sollten. Aber das Hauptproblem ist m.E. nicht der Endkonsument, der mal aus Bequemlichkeit einen fertig verpackten Salat oder Coffee to Go mitnimmt &#8211; sondern die Konzerne, die so etwas \u00fcberhaupt herstellen. Oder hat irgendjemand Kaffeekapseln vermisst, bevor sie von Senseo auf den Markt geschmissen wurden? Hat sich irgendjemand einzeln verpackte Schoko-Pralinen gew\u00fcnscht? Wer nicht ausschlie\u00dflich beim Bio-Bauern um die Ecke kauft, kann (Plastik)-M\u00fcll leider kaum vermeiden &#8211; selbst wenn man es m\u00f6chte.&nbsp;Ich finde das auch schei\u00dfe und ich trenne meinen M\u00fcll, weil es mir wenigstens ein bisschen gutes Gef\u00fchl gibt, was f\u00fcr die Umwelt getan zu haben. Ob wohl ich mal geh\u00f6rt habe, dass dieser sorgf\u00e4ltig getrennte M\u00fcll am Ende auch nur zusammengekippt und verbrannt wird \ud83d\ude41. Mir w\u00e4re es viel lieber, ich h\u00e4tte gar keinen M\u00fcll zum trennen. Meine Mutter ist noch mit dem Einkaufnetz und der Milchkanne in den n\u00e4chsten Tante-Emma-Laden gegangen, Wurst und K\u00e4se wurden in Papier und alten Zeitungen verpackt. Geht doch auch! Wenn die Superm\u00e4rkte keine Plastikt\u00fcten, sondern nur noch Stoffbeutel anbieten w\u00fcrden, gebe es schon viel weniger Plastikm\u00fcll, ohne dass man die Kunden g\u00e4ngeln m\u00fcsste.&nbsp;Wenn der Konsum nicht st\u00e4ndig durch aggressive Werbung, &#8220;Sollbruchstellen&#8221; in technischen Ger\u00e4ten&nbsp;etc. k\u00fcnstlich angeheizt w\u00fcrde, k\u00e4me niemand auf die Idee, irgendwas zu kaufen, was er gar nicht braucht oder WIRKLICH haben will. Nat\u00fcrlich&nbsp;w\u00e4re es f\u00fcr Tiere und Umwelt besser, wenn wir weniger Fleisch essen. Aber selbst Vegatarier und Veganer haben keinen Grund, sich moralisch aufs hohe Ross zu setzen, angesichts der vielen Kleintiere, die auf Getreide- oder Gem\u00fcse-Feldern durch Entemaschinen und Pestizide gekillt werden. Das Schlimme ist: Wir haben heutzutage kaum noch die M\u00f6glichkeit, ethisch zu konsumieren. 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W\u00e4ren Einwegbecher, Plastik-Gabeln, Kaffeekapseln und zu viel Autoverkehr unsere einzigen Probleme, k\u00f6nnten wir mit einem bewussteren Konsumverhalten tats\u00e4chlich die Welt retten. Ein weitaus schlimmeres \u00dcbel d\u00fcrfte jedoch die umweltzerst\u00f6rende Billigproduktion im Ausland sein. Aber um die zu boykottieren und statt dessen was Hochwertiges zu kaufen, braucht man erst mal das n\u00f6tige Kleingeld. Nachhaltigkeit, wenn man sie ernsthaft leben will, ist ein Luxus. Erz\u00e4hlt mal einem Hartz-IV-Empf\u00e4nger oder Geringverdiener, dass er seine Klamotten nicht bei Kik kaufen darf, weil die von Kindern in Bangladesh zusammen getackert werden, nachdem man ein paar Hektar Regelwald f\u00fcr die Baumwolle abgeholzt hat. Er wird sagen: &#8220;Dann sorgt erst mal daf\u00fcr, dass&nbsp;ich nicht mehr jeden Cent umdrehen muss.&#8221; Au\u00dferdem habe ich mir auch schon teure, vermeintlich hochwertige Klamotten geleistet, die trotzdem nach sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahren auseinander gefallen sind. Muss doch nicht sein &#8211; Omas Trachten wurden sogar an die n\u00e4chsten Generationen vererbt! Da sind sie wieder, unsere&nbsp;drei Probleme: K\u00fcnstlich angeheizter Konsum; Die Schere zwischen Arm und Reich, die verhindert, dass ein Gro\u00dfteil der Menschen sich fair gehandeltes Bio-Zeug \u00fcberhaupt leisten kann; Konzerne verkaufen uns M\u00fcll. Mit einem Wort: Kapitalismus. Wirtschaft &#8211; auch soziale Markwirtschaft &#8211; kann durchaus mit weniger Konsum funktionieren. Globaler Kapitalismus nicht. Deshalb besteht der einzige Weg, diesen Planeten zu retten, nicht in kleinlichen Verboten &#8211; sondern darin, Kapitalismus und sinnloses Wachstum einzud\u00e4mmen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3],"tags":[30],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9LOPQ-g8","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1000"}],"collection":[{"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1000"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1000\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1003,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1000\/revisions\/1003"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/adriana-wipperling.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}