Monat: Februar 2018

nachgedacht

Kinder – ein Ego-Projekt?

Vor einiger Zeit erschien in der Neuen Züricher Zeitung ein provokanter, aber durchaus lesenswerter Artikel: https://www.nzz.ch/meinung/kinder-sind-ein-ego-projekt-ld.1329040  Die Quintessenz: Keine Kinder zu haben, kann egoistisch motiviert sein – Kinder zu haben aber auch! Nun überlege ich: Könnte da etwas dran sein – bzw. ist Kinder in die Welt zu setzen, tatsächlich immer etwas Gutes? Gleich vorneweg: Ich will niemandem die Elternschaft madig machen oder mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich keine Mutter bin (so ganz freiwillig war die Entscheidung bei mir auch nicht). Aber der Artikel bringt harte Fakten, die zwei der häufigsten Schwachsinnsargumente von Politikern sehr schnell als solche entlarven: 1) „Wir brauchen mehr Kinder, weil die Bevölkerung immer älter wird.“ –> Zitat 1: Wirtschaftswissenschafter haben festgestellt „«dass heute im Durchschnitt ein Kind über sein ganzes zukünftiges Leben gerechnet mehr Leistungen und Transfers vom Staat erhält, als es an ihn mit all seinen Steuern und Abgaben bezahlt». Klar, sie studieren ja auch viel länger als früher, sind öfter arbeitslos – oder eben in Elternzeit . –> Zitat 2: «Gegen die Logik, mehr Kinder für die Finanzierung der Altersvorsorge zu haben, spricht aber auch eine einfache rechnerische Überlegung: Es müssten nämlich mit der Zeit immer noch mehr Kinder gezeugt werden, um eine stetig wachsende und älter werdende Bevölkerung zu finanzieren beziehungsweise zu pflegen – ein Schneeballeffekt, der eine exponentiell ansteigende Einwohnerzahl zur Folge hätte, eine Schraube ohne Ende.» Richtig. Das letzte, was die Erde braucht, sind noch mehr Menschen. Selbst in Europa, wo wir vergleichsweise wenige sind, kriegt man in manchen Ballungszentren schon Platzangst und wird das letzte grüne Fleckchen mit hässlichen Betonklötzen zugebaut. Lebensqualität ist was anderes 🙁. Über die Folgen für Umwelt und Klima brauchen wir ganr nicht zu diskutieren. Natürlich haben wir Europäer weniger Kindern. Dafür verbraucht einer von uns soviel Energie und pustet soviel CO2 in die Luft wie zehn Afrikaner. 2) „Wenn wir nicht mehr Kinder bekommen, stirbt unser Volk irgendwann aus und der Migrationsdruck wird zu groß“. Also, die Deutschen/Schweizer/Europäer sterben ganz bestimmt nicht aus . Die große Mehrheit der Leute möchte ja Kinder. Schließlich liegt es in unserer Biologie, dass wir uns fortpflanzen. Die Entscheidung, ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen, ist reine Kopfsache. Kinder kriegen ist ein Urinstinkt. Und was den Migrationsdruck angeht: Der besteht so oder so und hört erst auf, wenn das Elend in bestimmten Regionen der Welt aufhört. Wer zuhause im Dreck lebt und sein Glück im Auswandern sucht (oder flüchten muss, weil sich die Leute im eigenen Land gegenseitig die Köppe einschlagen), wird sich einen feuchten Furz darum kümmern, ob die Bevölkerungsdichte im Gelobten Land noch unter der WHO-Toleranzgrenze liegt. Selbst wenn wir unsere Geburtenrate pushen und jede Frau die „nötigen“ 2-3 Kinder bekommt, können wir mit dem nahen Osten oder Afrika niemals mithalten: Dort bekommt eine Frau durchschnittlich 6-10 Kinder. Also zurück ins 19. Jahrhundert und kalben gegen Afrika? Nicht euer Ernst, Leute . Sollte man nun die staatlichen Leistungen für Familien mit Kindern zurückschrauben, wie die Autorin des Artikels meint? Schwierige Frage … jein. Fakt ist leider, dass durch höhere Sozialleistungen letztendlich nur die Vermehrung der Fliesentischbesitzer-Klasse gefördert wird. Wegen 200 € Kindergeld und ein paar Steuervorteilen wird sich eine gut gebildete und gut verdienende Frau nicht dazu hinreißen lassen, ihre Karriere und ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen. Selbst wenn sie sich eigentlich Kinder wünscht. Die wenigsten kinderlosen Frauen über 40 kommen mit der Einstellung „Babys sind scheiße und ich würde lieber 3 mal im Jahr in den Urlaub fliegen“ auf die Welt. Meistens fehlt (wie bei mir) im passenden Alter der passende Partner und/oder die finanzielle Sicherheit. Mit Ü40 fühlt sich frau meistens zu alt für den Spaß oder meinst, ihr Leben sei auch ohne Kinder schon stressig genug (was ich TOTAL nachvollziehen kann ). Wenn dem Staat bzw. der Gesellschaft etwas an Kindern liegt, sind ganz andere Maßnahmen gefragt, als noch mehr Geld in die Sozialkassen zu pumpen: 1) Hirnrissige Gesetze wie das Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen. Wenn sich Nachwuchs-Akademiker im um die 30 von einem befristeten Job/Praktikum/Lehrauftrag zum nächsten hangeln müssen, zeugen sie in der Zeit eher keine weiteren Nachwuchs-Akademiker, obwohl sie gerade im besten Alter wären. 2) Dafür sorgen, dass die Mieten und die Preise für Lebensnotwendige Dinge nicht ständig explodieren! Vor ein paar Jahrzehnten war es noch möglich, mit einem Einkommen locker eine vierköpfige Familie zu ernähren. Heute geht von zwei Einkommen eines Paares die Hälfte für Miete und Fixkosten drauf. Dass einer von beiden für ein paar Jahre zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet, um mehr Zeit für die Kinder zu haben, können sich nur noch Großverdiener leisten. Klassische Rollenverteilung ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Doppelbelastung mit Vollzeit-Job und Kindern macht vielen Menschen (speziell Frauen) nach und nach kaputt. Ganz besonders Alleinerziehende. Naturlich ist es Glückssache, ob man den passenden Partner findet – aber unter diesen Unständen kommt keine Frau überhaupt auf die Idee, dass es evtl. auch ohne Partner geht. Meine Mutter war alleinerziehend (und zwar aus freier Entscheidung), und kam damit prima zurecht. Heute würde das kaum noch jemand wagen. 3) Damit aufhören, bestehende Familienstrukturen kaputt zu machen, weil die Leute ständig für den Job umziehen müssen. Wenn die Oma zu weit weg wohnt, um als Babysitter einzuspringen, und man in der fremden Stadt auch sonst niemanden gut genug kennt und eine Nanny zu teuer wäre, rät der gesunde Menschenverstand eher von der Vermehrung ab. Das Gleiche gilt auch, wenn Oma und Opa bis 70 arbeiten müssen. Woher sollen sie dann noch die Zeit und Energie für ihre Enkelkinder nehmen? Übrigens kam meine Mutter nur deshalb so gut klar, weil meine Oma im selben Haus gewohnt hat – und mit 60 in Rente gehen durfte. Ja, Kinder sind unsere Zukunft. Aber wenn die Menschheit nicht lernt, umzudenken, sehe ich für die Zukunft schwarz .