Kategorie: nachgedacht

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„Verschwörungs-Schwurbler“ ist das neue Nazi

Vor ein paar Monaten war das Bild der sogenannten „Verschwörungs-Schwurbler“ noch ein ziemlich klares: Das sind eine Handvoll Bekloppte, die sich mit Aluhut auf’m Kopp im Keller verkriechen oder mit Gasmaske durch die Stadt laufen, weil sie glauben, dass die Regierung (unterwandert von Illuminati, Reptiloiden, Bill Gates und dem fliegenden Spaghetti-Monster) uns mit Chemtrails vergiften will, damit wir nicht mehr klar denken können. Ansonsten würden wir ja alle sofort erkennen, dass die Erde in Wirklichkeit flach ist, und wir in Wirklichkeit in einem riesigen Terrarium gehalten werden, damit Aliens uns für ihre fiesen Experimente benutzen können. Tatsächlich gibt es Irre, die an so etwas glauben. Und jeder normal Denkende hat sich darüber lustig gemacht. Jetzt kursieren rund um das neuartige Corona-Virus auch wieder allerhand bizarre Verschwörungsmythen, wie zum Beispiel: COVID19 ist ein Vorwand, um eine neue Weltordnung inkl. Sozialismus und Überwachungsstaat aufzubauen (Absolut logisch, weil die einzelnen Staaten, obwohl sie teilweise kurz vom Krieg stehen, sich plötzlich total einig sind, wie man das Volk verarscht und wie diese ominöse neue Weltordnung aussehen soll – Ironie off ;)). COVID19 ist eine Erfindung der Pharmaindustrie, um teure Plazebo-Medikamente und Impfstoffe zu verkaufen (Obwohl man davon ausgehen kann, dass die Politik stark von Lobbyisten beeinflusst ist, steht nicht allein die Pharma-Industrie auf dem Parkett. Andere Wirtschaftszweige – die eindeutigen Verlierer dieser Krise – wären sicher Sturm gelaufen, wenn im Vorfeld bekannt geworden wäre, dass hier eine Pandemie „erfunden“ werden soll, um einen Shutdown zu provozieren). Bill Gates hat das Virus auf die Menschheit losgelassen, um die Weltbevölkerung zu reduzieren und uns allen seinen Impfstoff inkl. Mikrochip in den Arsch zu jagen, damit wir besser überwacht werden können (Die Machenschaften von Bill Gates mögen nicht immer sauber gewesen sein – aber auch hier stellt sich die Frage: Was hätte er davon? Meines Wissens ist er Kapitalist und kein Imperator ;)). Last but not least: Corona gibt es gar nicht, es ist nur ein Vorwand, um gequälte Kinder aus irgendwelchen Höhlen zu befreien, wo ihnen von der Hollywood-Elite Blut als Verjüngungsmittel abgezapft wird. Ausgerechnet Trump soll diese armen Kinder bei seinem Kreuzzug des Lichts befreien, während wir unter dem Vorwand der Quarantäne zu Hause hocken und nichts mitkriegen (Ähm, ja … da hat wohl jemand zu viele schlechte Horrorfilme gesehen. Wer den Quatsch genauer erklärt haben will, fragt bitte Xavier Naidoo – mir ist das zu blöd). In der Tat halte ich nichts von diesem ganzen Quatsch und bin überzeugt, dass SARS-Cov-2 ein hochgradig ansteckendes, gefährliches und heimtückisches Virus ist, das eingedämmt und bekämpft werden muss. Genauso dachte zwischen Februar und März 2020 ein Großteil der Weltbevölkerung: „Stay at Home“ und Social Distancing wurde von vielen Leuten schon betrieben, bevor es die entsprechenden staatlichen Verordnungen gab (bestätigt sogar Herr Drosten). Auch mein Mann und ich gehören zu denjenigen, die Abstand gehalten und beim Einkaufen Mundschutz getragen haben bevor es zur Pflicht wurde. Anfang des Jahres hatten wir die Masken noch aus Kaffeefiltern gebastelt, weil es nirgendwo welche zu kaufen gab. Warum? Weil die Übertragung von Mensch zu Mensch (v.a. durch Tröpfchen-Infektionen) zu den wenigen gesicherten Erkenntnissen gehört, die wir über dieses scheiß Virus haben. „Stay at Home“ war einfach naheliegend, als die Infektionswelle im Februar/März galoppiert ist, als in China und Italien Patienten gestorben sind wie die Fliegen. Da gab es einen Virus, der nicht kontrollierbar war, und sich innerhalb von zwei Wochen um die ganze Welt verbreitet hat. Natürlich wollten wir (bis auf wenige Ignoranten, die die Gefahr nicht ernst genommen haben), von der Pandemie nicht überrollt werden, und uns war beinahe jedes Mittel recht, um dieses komische neue Virus einzudämmen, bevor es eine Zombie-Apokalypse auslöst. Inzwischen zeigen die Zahlen vom Robert Koch Institut (RKI), dass die Infektionskurve schon kurz vor dem Lockdown auf das heutige Level gefallen war und mittlerweile zwischen 0.7 und 1 vor sich hin dümpelt. Dadurch werden wohl viele Leute ungeduldig und meinen, die Pandemie sei schon Geschichte. Ich denke, dass weiterhin Vorsicht angebracht ist, aber bei den Maßnahmen steckt, wie so oft, der Teufel im Detail: Möglichst zu Hause bleiben, Sozialkontakte begrenzen und Abstand halten ist im Prinzip richtig – aber wenn zwei Leute aus dem selben Haushalt auf der Wiese Picknick machen, kriegen sie Ärger mit dem Ordnungsamt, obwohl in fünf Meter Umkreis kein anderer Mensch zu sehen ist. Was soll das bitte? Erklärung: Wo ein oder zwei Menschen sich niederlassen, könnten ja noch andere hinzukommen. Jetzt ernsthaft: Wer von euch hat sich irgendwann einfach-mal-so zu wildfremden Menschen auf die Wiese oder auf die Parkbank gesetzt? Und selbst wenn jemand auf so eine komische Idee kommt, würde ich ihn freundlich bitten, Abstand zu halten. Ich könnte dieses Ordnungsamt-Bullshit-Bingo unendlich fortführen, aber ich lasse es lieber … Dann postest du ein derartiges Erlebnis z.B. in einer Facebook-Gruppe und erntest sofort einen Shirtstorm, weil du so ein egoistisches A***loch bist, das sich nicht an die Maßnahmen hält und das Leben von allen gefährdet. Frustriert scrollst du weiter und liest in derselben Gruppe, wie jemand voller Stolz berichtet, seine 70-jährige Nachbarin angeschwärzt zu haben, weil sie verbotenen Besuch von ihren Enkeln hatte. Natürlich mit bester Absicht im Sinne der Pandemie-Eindämmung. Oder noch schlimmer: Du äußerst Zweifel an einigen Maßnahmen, weil du in deinem eigenen Umfeld mitbekommst, was der Lockdown anrichtet: psychisch, sozial, wirtschaftlich … Dabei geht es nicht um Kevin und Schantalle, die jetzt angefressen sind, weil sie dieses Jahr nicht zur Ballermann-Party fliegen können. Es geht mir auch nicht um mich selbst, denn ich habe keinen Grund zum Jammern: Wir sind nicht – wie die Italiener – in den eigenen vier Wänden eingesperrt, sondern können wenigstens noch spazieren gehen. Dazu wohnen wir in einer sehr hübschen Gegend, haben eine große Wohnung mit Garten und Hobbys, denen man auch als Stubenhocker nachgehen kann. Ich kann meinen Job weiter ausüben (und Homeoffice hat durchaus seine Vorteile). Ab und zu gehen mir die Katzen bei der Arbeit auf den Senkel, aber wenigstens muss ich die nicht homeschoolen ;). Was Eltern im Homeoffice gerade durchmachen, kann ich nur ahnen (bzw. manchmal klagen mir Freunde und Kollegen ihr Leid). Bei einigen mag es mit dem Homeschooling prima klappen – aber viele andere stehen kurz vorm Burnout (https://www.n-tv.de/wissen/Studie-Viele-Eltern-am-Ende-ihrer-Kraefte-article21747530.html?fbclid=IwAR0K287UY-Y_J1_cTVQHRubprlN7RuBRB20Bl7DxMT9C9JOaSeRPGwRNUbk). Wenn Politiker euphemistisch von „besonderen Herausforderungen“ oder „genervten Eltern“ sprechen, kommt mir echt die Galle hoch! Steckt euch dieses Geschwafel sonst wo hin – hier drohen Familien kaputt zu gehen, Kinder verpassen Bildungschancen oder nehmen sogar ernsthaften seelischen Schaden (genügend Beispiele gibt es z.B. hier: https://www.echtemamas.de/echte-geschichten/ ). Die „Keimzellen unserer Gesellschaft“ sind vielerorts in ernster Gefahr – aber die Politik nimmt das Problem scheinbar nicht ernst genug. Corona trifft knallhart die Schwächsten: einerseits rafft das Virus vor allem Alte und Kranke dahin, andererseits treibt der Lockdown sozial Schwache in den Ruin, psychisch Kranke gehen an der Einsamkeit und Verunsicherung kaputt und manche Pflegeheim-Bewohner würden lieber an Corona sterben, als ihre Kinder und Enkel nie wieder zu sehen (https://www.rnd.de/gesundheit/corona-ist-mir-egal-warum-helga-witt-kronshage-86-lieber-sterben-will-als-eingesperrt-zu-sein-3MEBDIOBEFA6BDULC4N5WGZJG4.html) Dazu kommen noch die wirtschaftlichen „Kollateralschäden“, wegen denen jetzt schon mancher Arsch auf Grundeis geht. Aber wenn sich jemand – egal, ob Politiker, Promi, Experte oder Bürger – Sorgen um die Wirtschaft macht, wird ihm sofort unterstellt, er hätte nur Dollarzeichen in den Augen und würde diese über das Leben von Menschen stellen. Dabei braucht man nur zu googeln, wie viele Menschenleben die große Wirtschaftskrise 1929 forderte – allein durch Selbstmorde. Die UNO warnt bereits jetzt vor weltweiter Kinderarmut infolge der Corona-Krise (https://www.domradio.de/themen/soziales/2020-04-13/bedrohung-der-grundversorgung-unicef-warnt-vor-folgen-der-corona-pandemie-fuer-kinder-weltweit). „Die Wirtschaft“ ist kein abstraktes Monstrum in einem Goldtresor – sie wird gestützt von Menschen, für die ein wirtschaftlicher Zusammenbruch gleichzeitig einen Zusammenbruch ihrer Existenz bedeutet: Kleine Selbständige, Mittelständische Unternehmer, Freelancer, Künstler … selbst die Großkonzerne leiden und müssen Mitarbeiter entlassen. Das RKI hat vor einiger Zeit festgestellt, dass sich bei Arbeitslosigkeit der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert (https://www.rki.de/EN/Content/Health_Monitoring/Health_Reporting/GBEDownloadsT/arbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile) Leider finde ich keine RKI-Hochrechnung, was ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit für unser Gesundheitssystem bedeuten würde. Überhaupt, Gesundheit: Das höchste Gut, das eigentlich gerade in diesen Zeiten absolute Priorität haben sollte. Trotzdem habe ich Angst, dass die momentane Fixierung unseres Gesundheitssystems auf Corona genau das Gegenteil bewirkt. Es werden nicht nur Operationen aufgeschoben, die möglicherweise Leben retten könnten. Die Leute gehen auch deutlich seltener zum Arzt (z.T., weil sie von ihren Ärzten, die nur noch Notfällen behandeln, abgewiesen werden), und verschleppen dadurch Krankheiten. Ich möchte COVID19 absolut nicht verharmlosen. Es ist neu, unerforscht, kann schnell tödlich verlaufen, es sind noch nicht alle Verbreitungswege geklärt und die Folgeschäden ebenfalls nicht. Es können Thrombosen auftreten, die zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenembolien führen. Außerdem kann das körpereigene Immunsystem freidrehen, so dass am Ende nicht einmal künstliche Beatmung hilft. Mir ist auch klar, dass man nicht über 70 sein muss, um zur Risikogruppe zu gehören. Ich habe selbst manchmal – stressbedingt – zu hohen Blutdruck und fühle mich alles andere als sicher. Ein harmloser Schnupfen, der bestenfalls halbtote 90jährige killt, ist dieses Virus jedenfalls nicht. Trotzdem hätte ich gern eine Statistik, wie hoch die tatsächliche Wahrscheinlichkeit ist, an Corona zu sterben – z.B. im Vergleich zu Krebs. Doch selbst ohne Statistik habe ich, ehrlich gesagt, mehr Angst vor Krebs. Vor Corona kann man sich wenigstens noch halbwegs schützen, indem man die notwendigen Abstands- und Hygieneempfehlungen einhält. Aber was willst du dagegen tun, dass täglich Millionen Zellen in deinem Körper entarten? Normalerweise putzt deine körpereigene Polizei namens Immunsystem den Müll wegen. Durch ständigen Stress, Angst, Depressionen, Schlafstörungen etc. kann diese „Polizei“ jedoch stark geschwächt werden. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Wer sich also besorgt fragt, ob ein monatelanger Lockdown evtl. schlimmeren Schaden anrichtet als das Virus selbst, schwurbelt nicht. Wer sich eine umfassende Meinung bilden will und auch andere Quellen als die etablierte Presse zu Rate zieht, schwurbelt nicht. Besserwisser-Blogs von stolzen Absolventen der Youtube-University zu teilen, ist natürlich grenzwertig, aber es kommt auch darauf an, ob tatsächlich Fake News verbreitet werden. Ich bin alternativen Medien gegenüber immer etwas misstrauisch, weil sie oft von Amateuren betrieben werden, die es mit der Überprüfung ihrer Quellen nicht so genau nehmen. Ja, es sind auch Rechte und Verschwörungstheoretiker darunter – aber nicht alle verbreiten rechten Verschwörungs-Mist. Ich bin generell dafür, alles im Internet kritisch zu hinterfragen. Allerdings ist die Berichterstattung in den etablierten Medien ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Einer meiner Professoren an der Uni Potsdam war der Überzeugung, dass man sich nur dann eine fundierte politische Meinung bilden kann, wenn man täglich verschiedene Zeitungen aus verschiedenen politischen Lagern liest: FAZ, Welt, taz, Spiegel – sogar Neues Deutschland und Junge Freiheit. Ja, Ende der Neunziger hat so ein Tipp durchaus noch Sinn gemacht … Aber inzwischen fällt es mir echt schwer, diese Zeitungen (bis auf die beiden letztgenannten) einem politischen Lager zuzuordnen (außer, dass sie alle mehr oder weniger regierungsfreundlich berichten). Auch die vermittelten Informationen unterscheiden sich kaum noch voneinander. Wer sich also zur Abwechslung eine gänzlich andere Perspektive reinziehen will, kommt um „alternative Medien“ nicht herum. Aber warum spielt es so eine große Rolle, wie sich jemand informiert? Natürlich kann man über die Seriösität mancher Quellen streiten. Man kann jemanden warnen, wenn man das Gefühl hat, er lässt sich zu tief in diesen Verschwörungs-Dunstkreis reinziehen. Aber viele Leute machen sich die Mühe nicht, statt dessen wird sofort gepöbelt und entfreundet :(.  Wieso ist es nur so schwierig, trotz Meinung-Differenzen an einem Strang zu ziehen, um gemeinsam durch diese verdammte Pandemie zu kommen? Weshalb verflüchtigt sie sich so schnell, diese wunderbare Solidarität im Kampf gegen Corona? In Griechenland, wo viel früher härtere Maßnahmen ergriffen wurden und die Ausgangssperre jetzt erst gelockert wird, ist das scheinbar nicht der Fall … Dazu habe ich meine Theorien: Das anfängliche Verantwortungsbewusstsein ist in typisch deutsche Blockwart-Mentalität und Hexenjagd auf Corona-Sünder umgeschlagen. Dagegen regt sich früher oder später Widerstand. Naturgemäß verlassen sich die Menschen in Krisenzeiten stärker auf Vater Staat und Mutti Merkel – aber müssen sie sich deshalb gleich von mündigen Bürgern in Kinder verwandeln? Da gibt es die Braven, die keine eigene Meinung zu äußern wagen und sofort petzen, wenn jemand etwas Böses macht (z.B. Besuch empfangen oder in der Tram den Mundschutz nicht sofort aufziehen), und es gibt die Unartigen, die auf Teufel-komm-raus rebellieren müssen, selbst wenn sie damit sich und andere gefährden. Die überwiegende Mehrheit geht zwar immer noch vernünftig und verantwortungsvoll mit der Krise um – aber das wird weder gesehen noch gewürdigt, wenn die Kommunikation in den (A)sozialen Medien von 30 Jahre alten, 90 Kilo schweren Riesenbabys dominiert wird. Anfangs waren verschiedene Experten (Drosten, Streek, Kekule und noch einige andere) in den Medien präsent. Inzwischen wird Streek mehr oder weniger öffentlich zerlegt, von den anderen hört man fast nichts mehr. Wieder andere Ärzte und Wissenschaftler, deren Meinung nicht ganz dem Merkel-Mainstream entspricht, sind auf KenFM angewiesen, um sich überhaupt Gehör zu verschaffen. Dabei wäre es – gerade weil wir über dieses Virus so wenig wissen – absolut nötig, möglichst viele verschiedene Experten-Meinungen zu Rate zu ziehen! Stattdessen sehen wir in der Presse fast nur noch Drosten, von dem in letzter Zeit mehr Vermutungen und Warnungen anstelle von Fakten kommen. So was schmälert leider das Vertrauen vieler Bürger in die Regierung und die beratenden Experten. Das Meinungsklima in diesem Land ist seit mindestens fünf Jahren einfach nur noch zum Kotzen. Kritiker des Islam oder der Einwanderungspolitik werden sofort als Nazis abgestempelt, Kritiker der Corona-Maßnahmen als Verschwörungs-Schwurbler. Ich sage ganz bewusst Kritiker und nicht Gegner – für die Generation Schwarz-Weiß: das ist NICHT dasselbe! Anders erklärt: du bist im Prinzip für die Maßnahmen, wünschst dir aber ein Korrektiv an der einen oder anderen Stelle – PENG, wirst du als Corona-Leugner hingestellt. „Verschwörungs-Schwurbler“ ist also das neue Nazi – und niemand will ein Nazi sein, wenn er nicht aus tiefster Überzeugung einer ist. Also muss man sich mit einer abweichenden Meinung ständig beweisen, rechtfertigen und betonen, dass man COVID19 trotz aller Zweifel für ein gemeinen Killervirus hält … und irgendwann ist man es leid, weil viele Leute doch nur lesen, was sie lesen wollen. Man zieht sich zurück und hofft einfach nur noch, dass der ganze Spuk bald vorbei ist. Oder man denkt „Jetzt erst recht!“ – und geht unter die Corona-Rebellen. Das Muster von 2015 – als einige Linke sehr freimütig definiert haben, was ein Nazi ist – wiederholt sich. Die Reaktionen darauf auch. Also, wie kann man verhindern, dass die Stimmung kippt? Wie können wir durch diese schwere Zeit kommen, ohne uns in eine Gesellschaft von Psychopathen zu verwandeln? Aus meiner Sicht vor allem durch gegenseitiges Verständnis, Respekt und die Offenheit gegenüber verschiedenen Meinungen. Weniger Egoismus und Selbstgerechtigkeit, mehr Hilfsbereitschaft und Toleranz. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die sich nicht nur auf Zahlen und R-Werte fixiert, sondern auch die sozialen Folgen im Blick hat. Dann klappt’s auch wieder mit dem Zusammenhalt.

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Kinder – ein Ego-Projekt?

Vor einiger Zeit erschien in der Neuen Züricher Zeitung ein provokanter, aber durchaus lesenswerter Artikel: https://www.nzz.ch/meinung/kinder-sind-ein-ego-projekt-ld.1329040  Die Quintessenz: Keine Kinder zu haben, kann egoistisch motiviert sein – Kinder zu haben aber auch! Nun überlege ich: Könnte da etwas dran sein – bzw. ist Kinder in die Welt zu setzen, tatsächlich immer etwas Gutes? Gleich vorneweg: Ich will niemandem die Elternschaft madig machen oder mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich keine Mutter bin (so ganz freiwillig war die Entscheidung bei mir auch nicht). Aber der Artikel bringt harte Fakten, die zwei der häufigsten Schwachsinnsargumente von Politikern sehr schnell als solche entlarven: 1) „Wir brauchen mehr Kinder, weil die Bevölkerung immer älter wird.“ –> Zitat 1: Wirtschaftswissenschafter haben festgestellt „«dass heute im Durchschnitt ein Kind über sein ganzes zukünftiges Leben gerechnet mehr Leistungen und Transfers vom Staat erhält, als es an ihn mit all seinen Steuern und Abgaben bezahlt». Klar, sie studieren ja auch viel länger als früher, sind öfter arbeitslos – oder eben in Elternzeit . –> Zitat 2: «Gegen die Logik, mehr Kinder für die Finanzierung der Altersvorsorge zu haben, spricht aber auch eine einfache rechnerische Überlegung: Es müssten nämlich mit der Zeit immer noch mehr Kinder gezeugt werden, um eine stetig wachsende und älter werdende Bevölkerung zu finanzieren beziehungsweise zu pflegen – ein Schneeballeffekt, der eine exponentiell ansteigende Einwohnerzahl zur Folge hätte, eine Schraube ohne Ende.» Richtig. Das letzte, was die Erde braucht, sind noch mehr Menschen. Selbst in Europa, wo wir vergleichsweise wenige sind, kriegt man in manchen Ballungszentren schon Platzangst und wird das letzte grüne Fleckchen mit hässlichen Betonklötzen zugebaut. Lebensqualität ist was anderes 🙁. Über die Folgen für Umwelt und Klima brauchen wir ganr nicht zu diskutieren. Natürlich haben wir Europäer weniger Kindern. Dafür verbraucht einer von uns soviel Energie und pustet soviel CO2 in die Luft wie zehn Afrikaner. 2) „Wenn wir nicht mehr Kinder bekommen, stirbt unser Volk irgendwann aus und der Migrationsdruck wird zu groß“. Also, die Deutschen/Schweizer/Europäer sterben ganz bestimmt nicht aus . Die große Mehrheit der Leute möchte ja Kinder. Schließlich liegt es in unserer Biologie, dass wir uns fortpflanzen. Die Entscheidung, ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen, ist reine Kopfsache. Kinder kriegen ist ein Urinstinkt. Und was den Migrationsdruck angeht: Der besteht so oder so und hört erst auf, wenn das Elend in bestimmten Regionen der Welt aufhört. Wer zuhause im Dreck lebt und sein Glück im Auswandern sucht (oder flüchten muss, weil sich die Leute im eigenen Land gegenseitig die Köppe einschlagen), wird sich einen feuchten Furz darum kümmern, ob die Bevölkerungsdichte im Gelobten Land noch unter der WHO-Toleranzgrenze liegt. Selbst wenn wir unsere Geburtenrate pushen und jede Frau die „nötigen“ 2-3 Kinder bekommt, können wir mit dem nahen Osten oder Afrika niemals mithalten: Dort bekommt eine Frau durchschnittlich 6-10 Kinder. Also zurück ins 19. Jahrhundert und kalben gegen Afrika? Nicht euer Ernst, Leute . Sollte man nun die staatlichen Leistungen für Familien mit Kindern zurückschrauben, wie die Autorin des Artikels meint? Schwierige Frage … jein. Fakt ist leider, dass durch höhere Sozialleistungen letztendlich nur die Vermehrung der Fliesentischbesitzer-Klasse gefördert wird. Wegen 200 € Kindergeld und ein paar Steuervorteilen wird sich eine gut gebildete und gut verdienende Frau nicht dazu hinreißen lassen, ihre Karriere und ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen. Selbst wenn sie sich eigentlich Kinder wünscht. Die wenigsten kinderlosen Frauen über 40 kommen mit der Einstellung „Babys sind scheiße und ich würde lieber 3 mal im Jahr in den Urlaub fliegen“ auf die Welt. Meistens fehlt (wie bei mir) im passenden Alter der passende Partner und/oder die finanzielle Sicherheit. Mit Ü40 fühlt sich frau meistens zu alt für den Spaß oder meinst, ihr Leben sei auch ohne Kinder schon stressig genug (was ich TOTAL nachvollziehen kann ). Wenn dem Staat bzw. der Gesellschaft etwas an Kindern liegt, sind ganz andere Maßnahmen gefragt, als noch mehr Geld in die Sozialkassen zu pumpen: 1) Hirnrissige Gesetze wie das Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen. Wenn sich Nachwuchs-Akademiker im um die 30 von einem befristeten Job/Praktikum/Lehrauftrag zum nächsten hangeln müssen, zeugen sie in der Zeit eher keine weiteren Nachwuchs-Akademiker, obwohl sie gerade im besten Alter wären. 2) Dafür sorgen, dass die Mieten und die Preise für Lebensnotwendige Dinge nicht ständig explodieren! Vor ein paar Jahrzehnten war es noch möglich, mit einem Einkommen locker eine vierköpfige Familie zu ernähren. Heute geht von zwei Einkommen eines Paares die Hälfte für Miete und Fixkosten drauf. Dass einer von beiden für ein paar Jahre zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet, um mehr Zeit für die Kinder zu haben, können sich nur noch Großverdiener leisten. Klassische Rollenverteilung ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Doppelbelastung mit Vollzeit-Job und Kindern macht vielen Menschen (speziell Frauen) nach und nach kaputt. Ganz besonders Alleinerziehende. Naturlich ist es Glückssache, ob man den passenden Partner findet – aber unter diesen Unständen kommt keine Frau überhaupt auf die Idee, dass es evtl. auch ohne Partner geht. Meine Mutter war alleinerziehend (und zwar aus freier Entscheidung), und kam damit prima zurecht. Heute würde das kaum noch jemand wagen. 3) Damit aufhören, bestehende Familienstrukturen kaputt zu machen, weil die Leute ständig für den Job umziehen müssen. Wenn die Oma zu weit weg wohnt, um als Babysitter einzuspringen, und man in der fremden Stadt auch sonst niemanden gut genug kennt und eine Nanny zu teuer wäre, rät der gesunde Menschenverstand eher von der Vermehrung ab. Das Gleiche gilt auch, wenn Oma und Opa bis 70 arbeiten müssen. Woher sollen sie dann noch die Zeit und Energie für ihre Enkelkinder nehmen? Übrigens kam meine Mutter nur deshalb so gut klar, weil meine Oma im selben Haus gewohnt hat – und mit 60 in Rente gehen durfte. Ja, Kinder sind unsere Zukunft. Aber wenn die Menschheit nicht lernt, umzudenken, sehe ich für die Zukunft schwarz .

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Die Seifenblase, in der wir leben

Kaum zu glauben – ausgerechnet ich schreibe einen Blogbeitrag zu einem Song von Katy Perry. Ich, die schon mit 16 der Meinung war, dass die Mainstream-Popmusik seit Mitte der Neunziger für die Mülltonne ist (von ein paar Ausnahmen wie Bonjovi, Roxette oder Meatloaf abgesehen – aber das waren auch alles Relikte aus den 80ern). Ich, die ihren MP3-Player fast ausschließlich mit Metal und Celctic-Mystery-Zeugs vor dem Verhungern gerettet hat. Nun befasse ich mich ernsthaft mit einem Song von Katy Perry. Daran ist natürlich ein Mann schuld ;). Mein Verlobter, der eines Tages mit einem Ohrwurm nachhause kam: „Irgendsoein neues Lied von Katy Perry, die dudeln das bei mir auf Arbeit mindestens fünf Mal am Tag, ich versteh nur ‚piep, piep‘ und ‚dance, dance‘.“ Er hatte diesen Eindruck nicht etwa, weil sein Englisch unter aller Sau wäre (ist es nicht), sondern weil das eben so ein typischer Popsong ist, bei dem man nicht so genau hinhören muss. Dachten wir jedenfalls. Dann sind wir zufällig auf den Songtext gestoßen und waren positiv überrascht, dass es gar nicht um Partys oder eine verkorste Liebesbeziehung geht. Es geht um nicht weniger als den gruseligen Status Quo der westlichen Gesellschaft: Wir leben in einer Blase, die jeden Moment platzen kann. Vielleicht sind wir die letzte Generation, die noch ein „normales“ Leben führen darf, Party machen darf, auf dem Vulkan tanzen, bevor er hoch geht … Natürlich hoffen wir, dass wir nicht mehr mitbekommen, wie er hochgeht. Dass dieser Tag selbst für unsere Kinder noch fern ist. Aber wir wissen tief im Inneren, dass es passieren kann, paasieren wird. Der Klimawandel scheint kaum noch aufzuhalten, Plastikmüll überschwemmt die Weltmeere, Islamisten zündeln an jeder Ecke, Menschen verhungern in Afrika, Kinder schuften unter unsäglichen Bedingungen für unsere KiK-T-Shirts. Unsere komfortable Blase schützt uns schon lange nicht mehr vor diesen bedrohlichen Fakten – jedenfalls nicht immer. Aber meistens können und wollen wir nicht darüber nachdenken, weil Job und Familie unsere Hirnkapazität zu fast 90% auffressen und der Rest für die Planung von Urlaub und Partys gebraucht wird. Der weiße Zaun um das Spießerparadies wird mit den Jahren immer enger. Wir sind gefangen im sogenannten normalen Wahnsinn, gebunden an den Rhythmus wo man leider mit muss. Das Video zeigt uns Menschen in retro-futuristischen, grellbunden Outfits, die wie ferngesteuerte grinsende Zombies durch eine Art Freizeitpark taumeln, während pastellfarbene Einfamilien-Häuschen an einem Kettenkarussell durch die Luft gewirbelt werden. Zuckerwatte hat die Form von Atompilzen, alles ist Unterhaltung und Spaß und passt damit zum heutigen Zeitgeist. Der Clip ist schräg und durchaus künstlerisch, manchmal sogar unterschwellig verstörend – aber so inszeniert, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Lieder scheint auch Katy Perry an ihren eigenen Rhythmus gekettet zu sein, denn wenn dieser Song beweisen soll, das tiefgründige Lyrics und Disco-Pop zusammenpassen, ist das Experiment leider gescheitet. Der Rhythmus hält den Text gefangen, so dass er keine Chance hat, seine Wirkung zu entfalten. Oder erst in einer guten Cover-Version, von einer Sängerin, die nicht die Hälfte aller Silben verschluckt. Doch warum versteckt man einen tiefgründigen Songtext in einem – wie meint Freund so schön sagt – „Piep-Piep-Lied“? Hat Katy Perry etwa Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen? Oder haben sie und ihre Songschreiber gehofft, dass subversive Botschaften am besten durch Disco-Beats ins Hirn gehämmert werden? Wenn das Hirn nach dem fünften Caipi noch aufnahmefähig ist, könnte das eventuell funktionieren.   Hier geht’s zur deutschen Übersetzung: http://www.songtexte.com/uebersetzung/katy-perry/chained-to-the-rhythm-deutsch-5bd617f0.html        

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Brauchen wir noch mehr Verbote?

„Ich will Verbote!“ forderte neulich ein hochintellektueller, vor weinerlicher Selbstkritik nur so strotzenden Artikel aus der ZEIT (http://www.zeit.de/2017/07/konsumverhalten-nachhaltigkeit-vernunft-verschwendung-bequemlichkeit).  Aber wozu braucht unsere Gesellschaft noch mehr Verbote? Haben wir nicht schon genug? Machen die überhaupt alle Sinn? In Potsdam ist es zum Beispiel verboten, einen Chihuahua ohne Maulkorb in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen. Wegen der Vogelgrippe ist es mir seit drei Wochen verboten, meine Katzen rauszulassen, obwohl nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen ist, dass Katzen oder Hunde das H5N8-Virus übertragen – oder wie die Übertragung generell funktioniert. Hauptsache, man hat eine Gängel-Verordnung rausgehauen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, weil man nicht die Eier hat, dem ursächlichen Problem auf den Grund zu gehen. Millionen Enten, Hühner und Gänse werden in qualvoller Massen-Tierhaltung zusammengepfercht, sind geschwächt und dementsprechend anfällig für Krankheiten wie die Vogelgrippe (die von mehreren Millionen Wild- und Zugvögeln bisher nur ein paar Hundert erledigt hat, falls das irgendjemandem aufgefallen sein sollte). Trotzdem wird mit dem Finger auf Wildvögel und Katzen gezeigt, während in den Mastställen die Seuche unvermindert weiter grassiert und verseuchter Hühnermist auf die Felder gekippt wird. Aber um sich mit der massentierhaltenden Geflügelindustrie anzulegen, sind unsere Politiker offensichtlich zu bequem. Genau darum geht es in diesem Artikel – Bequemlichkeit. Der Autor – ich lasse jetzt meinen Vorurteilen frei Lauf – wahrscheinlich öko-linker Hipster in einer post-pubertären Sinnkrise, maximal 29 Jahre alt, hofft heimlich auf eine Stelle als Senior-Praktikant in der Lifestyle-Redaktion und würde sich am liebsten selbst auspeitschen, weil er ausnahmsweise einen Plastik-verpackten Fertigsalat mit einer Plastik-Gabel gemampft hat. Davor war es – Oh mein Gott! – eine Currywurst in der Kantine. Ich denke daran, was ich heute in der Kantine gegessen habe, und müsste mich jetzt eigentlich selber durch den Fleischwolf drehen, weil ich mir kein selbst gekochtes Bio-Essen mitgebracht habe. Leider habe ich dazu keine Lust ;). Denn während unser Weltschmerz-geplagter Nachwuchs-Autor die Bequemlichkeit von Otto-Normalverbraucher anprangert, weil der sich jeden Tag seine plastik-verpackte Mikrowellen-Suppe reinschüttet, erwähnt er die eigentlichen Verursacher des westlichen Konsumterrors mit keinem einzigen Wort. Kein Wunder, es ist ja auch bequemer, dem Bürger Verbote aufzudrücken, als einem global operierenden Konzern. In einem Punkt gehe ich allerdings mit: es gibt eindeutig zu viel Müll auf der Welt. Auch geistigen – und dazu zählt für mich dieser Artikel. „Liebe Angela Merkel, lieber Staat, liebe EU, liebe Weltregierung, ich fordere euch hiermit auf: Verbietet mir, was ich gerne haben möchte, aber besser nicht haben sollte …“ Ja, sind wir denn Babys, dass man uns das Denken abnehmen muss, weil wir keine eigenen Entscheidungen treffen können? Und wer soll sie dann für uns treffen? Politiker, die mitverantwortlich sind, dass tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen werden, weil sie irgendwelchen schwachsinnigen EU-Normen nicht entsprechen? Politiker, die fragwürdige Gesetze wie die Geflügelpest-Verordnung erlassen, wodurch hunderttausende Enten, Gänse und Hühner sinnlos geschlachtet werden? Oder „schlaue“ Leute wie dieser Autor? „Macht Ökostrom zur Pflicht!“, fordert er. Jawoll, die Vögel, die durch Windräder geschreddert werden, die Fische, die das Abwasser aus chinesischen Solarzellen-Fabriken schlucken dürfen und die Pflanzen, die für sogenannten Biosprit zermatscht werden, freuen sich jetzt schon. Ich streite nicht ab, dass die meisten Menschen faule, bequeme Kreaturen sind und wir Konsumenten mehr Verantwortung übernehmen sollten. Aber das Hauptproblem ist m.E. nicht der Endkonsument, der mal aus Bequemlichkeit einen fertig verpackten Salat oder Coffee to Go mitnimmt – sondern die Konzerne, die so etwas überhaupt herstellen. Oder hat irgendjemand Kaffeekapseln vermisst, bevor sie von Senseo auf den Markt geschmissen wurden? Hat sich irgendjemand einzeln verpackte Schoko-Pralinen gewünscht? Wer nicht ausschließlich beim Bio-Bauern um die Ecke kauft, kann (Plastik)-Müll leider kaum vermeiden – selbst wenn man es möchte. Ich finde das auch scheiße und ich trenne meinen Müll, weil es mir wenigstens ein bisschen gutes Gefühl gibt, was für die Umwelt getan zu haben. Ob wohl ich mal gehört habe, dass dieser sorgfältig getrennte Müll am Ende auch nur zusammengekippt und verbrannt wird 🙁. Mir wäre es viel lieber, ich hätte gar keinen Müll zum trennen. Meine Mutter ist noch mit dem Einkaufnetz und der Milchkanne in den nächsten Tante-Emma-Laden gegangen, Wurst und Käse wurden in Papier und alten Zeitungen verpackt. Geht doch auch! Wenn die Supermärkte keine Plastiktüten, sondern nur noch Stoffbeutel anbieten würden, gebe es schon viel weniger Plastikmüll, ohne dass man die Kunden gängeln müsste. Wenn der Konsum nicht ständig durch aggressive Werbung, „Sollbruchstellen“ in technischen Geräten etc. künstlich angeheizt würde, käme niemand auf die Idee, irgendwas zu kaufen, was er gar nicht braucht oder WIRKLICH haben will. Natürlich wäre es für Tiere und Umwelt besser, wenn wir weniger Fleisch essen. Aber selbst Vegatarier und Veganer haben keinen Grund, sich moralisch aufs hohe Ross zu setzen, angesichts der vielen Kleintiere, die auf Getreide- oder Gemüse-Feldern durch Entemaschinen und Pestizide gekillt werden. Das Schlimme ist: Wir haben heutzutage kaum noch die Möglichkeit, ethisch zu konsumieren. Irgendein menschen- oder tierfeindlich hergestellter Dreck schleicht sich immer dazwischen – und meistens bemerken wir es nicht einmal. Wir beruhigen unser Gewissen mit Fair gehandeltem Bio-Kaffee, den wir in der Büro-Kaffeemaschine kochen, wovon zumindest Einzelteile in China hergestellt wurden, während der Strom aus dem Atomkraftwerk kommt. Das soll jetzt kein Aufruf sein, weiterhin jeden Mist zu konsumieren und sich mit Fleisch aus Massentierhaltung vollzustopfen, weil wir ja sowieso nix ändern können. Der Boykott bestimmter Produkte wie Billig-Kaffee oder Plastiktüten ist sicherlich ein Anfang – aber erst mal nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit können wir symbolische Zeichen setzen, die vielleicht irgendwann was bewirken, wenn genug Leute mitmachen. Wären Einwegbecher, Plastik-Gabeln, Kaffeekapseln und zu viel Autoverkehr unsere einzigen Probleme, könnten wir mit einem bewussteren Konsumverhalten tatsächlich die Welt retten. Ein weitaus schlimmeres Übel dürfte jedoch die umweltzerstörende Billigproduktion im Ausland sein. Aber um die zu boykottieren und statt dessen was Hochwertiges zu kaufen, braucht man erst mal das nötige Kleingeld. Nachhaltigkeit, wenn man sie ernsthaft leben will, ist ein Luxus. Erzählt mal einem Hartz-IV-Empfänger oder Geringverdiener, dass er seine Klamotten nicht bei Kik kaufen darf, weil die von Kindern in Bangladesh zusammen getackert werden, nachdem man ein paar Hektar Regelwald für die Baumwolle abgeholzt hat. Er wird sagen: „Dann sorgt erst mal dafür, dass ich nicht mehr jeden Cent umdrehen muss.“ Außerdem habe ich mir auch schon teure, vermeintlich hochwertige Klamotten geleistet, die trotzdem nach spätestens fünf Jahren auseinander gefallen sind. Muss doch nicht sein – Omas Trachten wurden sogar an die nächsten Generationen vererbt! Da sind sie wieder, unsere drei Probleme: Künstlich angeheizter Konsum; Die Schere zwischen Arm und Reich, die verhindert, dass ein Großteil der Menschen sich fair gehandeltes Bio-Zeug überhaupt leisten kann; Konzerne verkaufen uns Müll. Mit einem Wort: Kapitalismus. Wirtschaft – auch soziale Markwirtschaft – kann durchaus mit weniger Konsum funktionieren. Globaler Kapitalismus nicht. Deshalb besteht der einzige Weg, diesen Planeten zu retten, nicht in kleinlichen Verboten – sondern darin, Kapitalismus und sinnloses Wachstum einzudämmen.

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Kriminelle Ossis abschieben?

Schön, dass es Facebook-Seiten gibt, die Pegida und Co. durch den Kakao ziehen. Ich hätte auch kein Problem mit einer Seite, die sich einfach nur über Ossis lustig macht. Aber m.E. ist die Grenze von Satire zu Hetze hier längst überschritten: https://www.facebook.com/KriminelleOssisAbschieben/?fref=nf. So was muss ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung Deutschlands echt nicht sein . Aber Teile und Herrsche hat schon im alten Rom bestens funktioniert, weil es immer wieder Idioten gibt, die das unterstützen . Falls ich mich jemals zu einer Bewertung herablassen sollten, sieht sie wohl so aus: ————————— „Ich bin erleuchtet von dieser Seite – ehrlich! Aus rein wissenschaftlichem Interesse bin ich immer interessiert an ungefilterten Meinungen – und eure sind wirklich herrlich ungefiltert! Das ist mal richtig erfrischend bei der ganzen Lügenpresse da draußen. Vor allem, wenn man, wie ich, aus dem Osten kommt und jahrelang hinter der Mauer eingesperrt war.    In dem braunversifften Zonenkaff, wo ich zur Zeit wohnhaft bin, haben es kürzlich erst wieder 15 (!) unverbesserliche Pegida-Deppen gewagt, sich 300 (selbstverständlich aus dem Westen zugezogenen ) Anhängern von „Potsdam bekennt Farbe“ entgegen zu stellen. Unglaublich, oder? Alles voller Nazis im Osten . Um dem ganzen Mist für ein paar Tage zu entkommen, bin ich gerade auf dem Weg nach Amsterdam, wo es nix Braunes gibt außer Zwarten Pieten und riesigen Hundehaufen. Außerdem tut so ein Abstecher zum Coffee Shop immer gut. Unser Crystal Meth ist ja auch nicht mehr das, was es mal war, und leisten kann sich das Zeug eh keiner mehr. Schande! Früher hat man es für 20 DDR-Pfennige nachgeschmissen gekriegt. Aber wird ja alles teurer, was wohl nicht zu vermeiden ist, wenn ein paar Millionen Ossis 25 Jahre lang die Staatskasse plündern, gell? 😉 Und weil ich – wie alle Ossis – geizig bin, gebe ich eurer Seite nur 2 Sterne. Leider habt ihr es bisher nicht geschafft, Satire so zu verpacken, dass es selbst der letzte Hinterwäldler aus BaWü oder MeckPomm als solche erkennt (Extra 3 oder Postillion anschauen und lernen, sag ich da nur). Schade, dass viele eurer Follower den geistigen Horizont von Ekel Alfred zu haben scheinen und eure „Satire“ hier für bare Münze nehmen. 🙁 Außerdem bin ich schwer enttäuscht, weil ich bisher angenommen hatte, Wessis könnten sich benehmen. Aber was hier den lieben langen Tag an hohlen Stammtisch-Phrasen gedroschen, geprollt und beleidigt wird, kann ich auch in der nächsten Berliner Herta-Kaschemme haben. Dort gibt’s wenigstens Bier .“ Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es Sinn macht, dort zu posten. Die Typen machen mir nicht den Eindruck, als ob sie Kritik vertragen oder ne zivilisierte Diskussion führen können. Eher werde ich dann als „Ost-F***ze“ oder dergleichen beschimpft, denn das ist leider der normale Umgangton dort. .  

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Das Katzensteuer-Bullshit-Bingo

Oh Mann, da haben wir gerade erst Mitte Januar und stecken schon tief im Sommerloch – jedenfalls, wenn man sich so manche „heiß diskutierten“ Themen anschaut. Deshalb, liebe Leute, dürfen wir nicht länger die Augen davor verschließen, dass dieses Land – und nicht nur dieses – ein Problem hat. Ein Problem, das die Gemüter bis kurz vorm Krieg hochkochen lässt. Vergesst die Flüchtlingskrise, Trump, Brexit und den Euro-Rettungsschirm, denn das ist alles nicht der Rede wert, wenn 13 Millionen gefährliche Raubtiere unkontrolliert durchs Land streifen und alles meucheln, was ihnen vor die Klauen kommt. Ihr habt richtig gelesen: 13 Millionen. Katzen. Und die fressen bekanntlich ihren Besitzern die Haare vom Kopp. Das allein würde neben der Katzensteuer auch die Glatzensteuer rechtfertigen. Genau, Katzensteuer. Dass einzelne FAZ- und FOCUS-Schreiberlinge ihren Frust über die Katzenscheiße im Blumenbeet loswerden müssen, kann man ja noch verstehen. Dass aber GRÜNEN-Politiker ernsthaft darüber nachdenken … überrascht eigentlich auch nicht wirklich. GRÜNE kommen immer schnell ins Sabbern, wenn von Gängeleien und  Strafabgaben die Rede ist – vor allem gegen Dinge, die Spaß machen. Selbstverständlich braucht man für jede Steuer eine Begründung und ein „Tut uns Leid, die Kommunen sind pleite und irgendwoher müssen die Mäuse für die nächste Elbphilharmonie ja kommen“ wäre viel zu ehrlich und direkt. Also lasst uns eine Runde Katzensteuer-Befürworter-Bullshit-Bingo spielen – und wir werden schnell dahinter kommen, dass die meisten dieser „Argumente“ weniger wert sind, als das, was man in einem Katzenklo findet: „Katzen sind Killer und dezimieren ganze Singvogelarten“ Ja, Katzen sind Raubtiere. Sie fangen Mäuse und Ratten (was in der Regel erwünscht ist) und leider manchmal auch seltene Vögel. Das kann in sensiblen Ökosystem, z.B. auf einer Insel, tatsächlich dazu führen, dass ganze Arten verschwinden (http://www.spektrum.de/wissen/schaden-katzen-unserer-vogelwelt/1356773 ). Aber hinter dem Luftverkehr, dem Klimawandel, den von den Grünen so gepriesenen Windrädern und vor allem der industriellen Landwirtschaft dürften die Miezis einen eher unscheinbaren Platz auf der Vogelkiller-Toplist einnehmen (https://www.welt.de/wissenschaft/article157075062/Das-globale-Vogelsterben-ist-ein-boeses-Vorzeichen.html). „Wir müssen gegen das Katzenproblem steuern. Deshalb Steuern.“ Nein, da hilft keine unsinnige Steuer, sondern nur Kastration. Ein „Katzenproblem“ entsteht in erster Linie durch herrenlose Streuner, sie sich unkontrolliert vermehren. Und wer bitte zahlt für die Steuern? Dieser Staat sollte eine Schwachsinns-Steuer einführen, dann käme wenigstens ordentlich Geld in die Kassen. „Katzen kacken alles voll.“ Aber in der Regel buddeln sie ihre Hinterlassenschaften ein und scheißen nicht mitten auf den Gehweg. Außerdem sind viele Katzen in Deutschland reine Stubentiger – kacken also im schlimmsten Fall auf Mamas neuen Flokati. Ausschließlich Freigänger zu besteuern, ließe sich wohl kaum umsetzen oder kontrollieren. „Hundehalter müssen doch auch Steuern zahlen. Das ist diskriminierend.“ Ja, ist es. Deswegen gehört auch die Hundesteuer abgeschafft. Wenn Hundehalter nicht fähig sind, ihren Wuffi richtig zu erziehen, oder zu faul, seine Scheiße wegzuräumen, hilft dagegen auch keine Steuer, sondern höchstens ein Hundeführerschein. Selbst sogenannte Kampfhunde sind normalerweise sehr liebe und treue Tiere, wenn sie nicht scharf gemacht werden. Trotzdem werden automatisch höhere Steuern für sie verlangt. Man sollte sich bewusst sein, dass die Hundesteuer im 19. Jh. als eine Art Luxussteuer eingeführt wurde – und nicht etwa mit dem Ziel, die Zahl potenziell gefährlicher Tiere gering zu halten, wie es uns heute gern weisgemacht wird. Sie ist also vollkommen überholt. „In Deutschland gibt es fast doppelt so viele Katzen wie Hunde, weil wir keine Katzensteuer haben.“ Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Hunde in der Haltung ganz schön aufwändig sind: Man muss sie erziehen, mehrmals am Tag bei Wind und Wetter Gassi führen, kann sie nicht lange alleine lassen … dafür hat einfach nicht jeder Zeit und Lust. „Eine Katzensteuer könnte dazu beitragen, dass die Leute sich verantwortungsbewusster für eine Katze entscheiden und sie nicht leichtfertig aussetzen. Schließlich kostet sie dann Geld.“ Alles klar. Die KfZ-Steuer verhindert auch jeden Tag, dass jugendliche Raser mit Tempo 80 durch Wohngebiete brettern, erst die Oma mit dem Rollator plattfahren, um kurz darauf selbst am Baum kleben zu bleiben. Schließlich kostet die Karre Geld. Und natürlich werden niemals Hunde vorm Kaufland „vergessen“, weil der nächste Urlaub vor der Tür steht. Schließlich kosteten sie Geld. Ironie aus. Eher ist zu befürchten, dass wieder tausende Katzen ausgesetzt werden, wenn sie plötzlich Steuern kosten. Und was werden sie fressen, wenn ihnen niemand mehr ihr tägliches Schälchen Whiskas vor die Nase stellt? Richtig, Mäuse und Vögel. Wisst ihr, ich würde sogar freiwillig meine Katzensteuer bezahlen, wenn ich wüsste, dass das Geld in Tierheime oder meinetwegen in Vogelschutzprojekte investiert wird. Aber wie jede Steuer würde sie in einem unübersichtlichen großen Topf landen, aus dem weiß-der-Geier-was bezahlt wird. Im harmlosesten Fall sind es die nächsten hässlichen Wohnblöcke, mit denen die Stadt Potsdam in letzter Zeit jede freie Fläche zupflastert. Bäume und Brachflächen, wo zahlreiche Vögeln und kleine Tiere leben, müssen dann natürlich weg. Na toll. Damit zahle ich als Katzenhalterin mit meiner Katzensteuer letztendlich für die Vernichtung von Vögeln – und zwar, ohne dass meine Miezie sie appetitlich auf der Fußmatte drapiert. Schweinerei ;).

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Über Menschenhass und Nazikeulen

Kein Wunder, dass Deutschland immer mehr polarisiert und gespalten wird, wenn wir mit krassen Worten wie „Hass“, „Hetze“, „Nazi“, „Krieg“, „Terror“, „rechtsradikal“, „linksradikal“, „Pack“ etc. rumschmeißen, als wäre es Konfetti 🙁. Mir fällt so spontan das Wort „Menschenhass“ ein, dass immer mal im Zusammenhang mit AfD und der Flüchtlingskrise durch die sozialen Netzwerke geistert. Dabei gibt es eigentlich nur 3 Gruppen, denen man wirklich M…enschenhass unterstellen könnte: 1. krankhafte Misanthropen, 2. Radikale Ökos, die am liebsten die Menschheit um 90% dezimieren würden, damit sich die Flora und Fauna des Planeten wieder erholt, 3. Aliens, die uns plattmachen und sich die Erde unter den Nagel reißen wollen 😉. Ich gebe zu, ich habe auch meine Momente, wo ich die Menschheit Scheiße finde. Aber etwas ab und an Scheiße zu finden oder jemanden nicht leiden zu können, ist nicht gleich Hass. Hass ist laut Duden und Wikipedia „eine menschliche Emotion scharfer und anhaltender Antipathie. Ausgehend von der Fähigkeit zu intensiven negativen Gefühlen wird der Begriff auch im übertragenen Sinne verwendet und steht allgemein für die stärkste Form der Abwendung, Verachtung und Abneigung … oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten.“ Hetze bezeichnet „die Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender Äußerungen“, mit dem Ziel, Hass zu erzeugen. Was „Nazi“, im ursprünglichen Sinn des Wortes bedeutet, brauche ich wohl nicht zu erklären. Trotzdem hat fast jeder, der z.B. in der Flüchtlingsfrage nicht ganz Merkel-konform ist, irgendwann mal von irgendwem eins mit der Nazi-Keule übergezogen bekommen. http://fudder.de/antwort-auf-einen-hasskommentar-von-einer-mutter-aus-syrien Die „Gegenseite“ (AfD, Pegida & Co.) ist natürlich kein Stück besser, wenn sie alle Flüchtlinge als potenziell kriminelle, Frauen betatschende „Wirtschaftsasylanten“ über einen Kamm scheren. Kein Wunder, dass es kaum noch möglich ist, sachlich und vernüftig über Politik zu diskutieren, weil zu viele Leute offenbar noch noch schwarz und weiß sehen 🙁.

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Bitte, Oma! Lösch endlich das Internet!

Erinnert sich noch jemand an die Werbung, wo Oma in Panik beim Radio anruft und sagt „Hilfe, ich habe das Internet gelöscht!“ Manchmal wünschte ich echt, sie hätte es getan. Denn was dort an Hass abgesondert wird und wie wenig dazu gehört, um sofort unter der Gürtellinie angemacht zu werden, ist einfach nur zum Kotzen! Wenn du klar stellst, dass nicht „die Flüchtlinge“ den Terror nach Europa gebracht haben, bist du ein dämlicher Gutmensch. Wenn du meinst, dass die Regierung erst mal an das eigene Volk denken sollte, bevor sie ein paar Millionen Fremde reinlässt, weil wir sonst enden wie Schweden, bist du ein empathieloses Arschloch. Wenn du meinst, dass der IS durchaus mit dem Islam zu tun hat, bist du gleich ein Pegidiot (egal, mit wie viel Koran-Suren du das belegen kann). Und wenn du dich gar entschieden hast, keine Kinder in diese kaputte Welt zu setzen, bist du eine „widerliche Kinderhasserin“ (heute wortwörtlich so gelesen – dabei hat die Frau wirklich nichts kinderfeindliches gepostet). Zur Zeit habe ich den Eindruck, die Menschheit verwandelt sich in eine – wie Prof. McGonnagal aus Harry Potter so schön sagt – „brutale blindwütige Bande von Brüllaffen“. Jedenfalls im Internet. Kaum einer nimmt sich noch die Zeit, die Postings anderer richtig zu lesen – es braucht nur irgendein Zungenschlag drin sein, der nicht passt, schon wird drauf los gehatet . Nicht genug, dass fast jeden Tag irgendwo in der Nähe ein Terroranschlag passiert – wie zuletzt in Berlin. Die Leute müssen sich auch noch so benehmen, als ob sie sich gleich gegenseitig die Köppe einschlagen . Ich fürchte, was im Internet anfängt, geht irgendwann auf der Straße weiter. Ich fürchte auch manchmal, im Internet fängt es an und geht irgendwann auf der Straße weiter: Weil sich viele Leute einbilden, anomym zu sein und i.d.R. keine Konsequzen fürchten müssen, lassen sie online die Sau raus (was sie im realen Leben z.Z. nicht wagen würden). Das zeigt aber leider, wie sie wirklich ticken .

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MU-SS Nazis jagen!

Was bin ich doch „stolz“, im Land der Verschwörungsfreaks und unterbeschäftigten Nazi-Jäger zu leben ;). Zugegeben, die Verwendung eines verbotenen KfZ-Kennzeichens in einem Werbespot ist schon enorm peinlich und wird für die Agentur sicher ziemlich teuer, wenn sie erst mal abgemahnt werden. Trotzdem, liebe Kollegen Politikwissenschaftler und Extremismusforscher, ihr könnt langsam aufhören zu hyperventilieren und mal in Ruhe nachdenken: 1) Meint ihr tatsächlich, dass EDEKA oder die beauftragte Werbeagentur sich ernsthaft mit diesem ganzen Nazi-Verschwörungsmist auseinander gesetzt haben? Angesichts der Vielfalt von rechten Geheimsymbolen etc. (https://de.wikipedia.org/…/Rechtsextreme_Symbole_und_Zeichen) ist es für Otto-Normalverbraucher leider kein Kunststück, irgendwas davon aus Versehen zu verwenden.  2) Angenommen, es sitzt tatsächlich ein kleiner Nazi-Praktikant in der Agentur, der uns mit diesem Spot was-auch-immer unterjubeln will … Wäre der- oder diejenige wirklich so doof, das eindeutig verbotene SS-Kennzeichen zu verwenden, Polizei und Verfassungsschutz mit der Nase auf seinen Arbeitgeber zu stoßen und damit zu riskieren, dass er seinen Job verliert? Solche Fehler macht doch eher jemand, der von der Materie null Ahnung hat. 3) Ist es nicht der Zweck dieser Codes, dass Nazis einander erkennen, ohne verbotete Floskeln wie „Heil Hitler“ zu verwenden? Was haben also Nazi-Codes in einem öffentlich ausgestrahlten Werbespot zu suchen, wo die Öffentlichkeit damit gar nichts anfangen kann? Es sei denn, wir haben alle einen Trigger im Kopf, dass wir beim Anblick einer 84 auf einem Nummernschild sofort wie die Zombies losmarschieren, um das nächste Flüchtlingsheim anzuzünden … ;). Was meint ihr denn, was als nächstes passiert? Die Werbeagentur wird versuchen, irgendwie aus der Nummer rauszukommen und ein Bauernopfer zu finden. Das heißt, eine womöglich unschuldige Person verliert wahrscheinlich ihren Job .  

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WTF … Trump?!? Es überrascht leider nicht wirklich

Jetzt, da sich der erste Schock gelegt hat, muss ich sagen: Überrascht war ich schon von Trumps Wahlsieg – trotzdem wundert es mich nicht wirklich. Überrascht war ich, dass ein Mann gewinnen konnte, den die eigene Partei verachtet, der ein TV-Duell nach dem anderen vergeigt hat und der bei fast allen Umfragen hintern seiner Konkurrentin lag (wenn auch knapp). Jetzt werden plötzlich alle auf Facebook, Twitter & Co. zu edlen Rittern der Demokratie und regen sich auf, wie bekloppt die Amis sind. Die Selbstkritischeren fragen sich noch besorgt, ob wir in Deutschland 2017 genauso bescheuert wählen und dann unseren eigenen Trump an der Backe haben. Nun finde ich zwar, dass die ganzen Trump-AfD-Vergleiche hinken. Die Mentalität und das Wahlsystem der Amis unterscheiden sich doch sehr von europäischen Verhältnissen. Ich rechne damit, dass die AfD in den Bundestag einzieht und dass es dann für die restlichen Parteien sehr schwierig wird, die Koalition zu bilden, die auch funktioniert. Aber einige Panikmacher sehen wohl schon Frauke Petry als nächste Bundeskanzlerin. Also, das bezweifle ich doch sehr . Aber es ist leider typisch für die heute übliche Unsachlichkeit, Hetzerei und Schwarzweiß-Malerei, die solche Vögel wie Trump überhaupt erst groß gemacht hat . Ich denke auch, dass Trump ein Desaster ist – für Amerika und vielleicht auch für die Welt. Aber wer jetzt – wieder mal – alles auf den „doofen Wähler“ schiebt, macht es sich definitiv zu einfach. Wer vernünftig wählen soll, braucht erst mal vernünftige Wahlalternativen! Die hatten die Amerikaner dieses Jahr nicht und die sehen viele Leute in Deutschland auch nicht mehr. Wer wählt schon gerne zwischen Pest und Cholera? Hillary mag eine erfahrene und durchaus kompetente Politikerin sein, aber sie ist leider kein Sympathieträger. Dazu vertritt sie außerpolitische Forderungen, die ich z.T. auch ziemlich gruselig finde. Die Parallele, die ich zu Deutschland sehe, ist vor allem die Arroganz des politischen Establishments, die Populisten-Futter vom Feinsten liefert. Denn diejenigen, die das Trumpeltier fett gefüttert haben, waren letztendlich seine politischen Gegner. Aus meiner Sicht haben die Demokraten drei entscheidende Fehler gemacht: 1) Bernie Sanders zu kicken und statt dessen eine Kandidatin ins Rennen zu schicken, von der sie wussten, dass sei nicht besonders populär ist. Die Folge: Sanders-Anhänger und sonstige Liberale, die unter anderen Umständen demokratisch gewählt hätten, haben für chancenlose Third-Party-Kandidaten oder sogar für Trump gestimmt. Einige, die womöglich für Hillary gestimmt hätten (aber ohne große Begeisterung), sind gleich zu Hause geblieben, weil Hillary in den Umfragen immer vorn lag und man dachte „Die gewinnt sowieso“. 2) Das Trump-Bashing der Demokraten und der von ihnen kontrollierten Massenmedien hat wohl genau das Gegenteil erreicht, was es erreichen sollte. Cool bleiben, Popcorn knabbern und live genießen, wie Trump von einem Fettnäpfchen ins andere latscht, bis er sich irgendwann selbst demontiert, wäre sicher wirksamer gewesen, als sich auf sein Niveau herab zu begeben. Außerdem sieht man auch in Deutschland, dass eine Meinung, die von oben als die „einzig richtige“ verkauft wird, letztendlich nur die Proteststacheln reizt. Pro Clinton, pro Merkel, pro Flüchtlinge … wer nicht so denkt, ist laut offizieller Definition ein Arschloch und Reaktionär. Nur blöder Weise gibt es inzwischen ziemlich viele Leute, denen das egal ist – in Amerika wohl noch mehr als bei uns. 3) Last but not least: Der Frust der Unterprivilegierten, Abgehängten und Kapitalismus-Verlierer zu ignorieren. Gabriel bezeichnet sie als „Pack“ und Hillary grinst einfach nur selbstgefällig. Ihr abgehobenes Image wurde sie nie los. Wenn unsere Politiker aus dem Trump-Desaster eins lernen können, dann können sie von den Demokraten lernen … wie man es nicht macht.