nachgedacht

Kinder – ein Ego-Projekt?

Vor einiger Zeit erschien in der Neuen Züricher Zeitung ein provokanter, aber durchaus lesenswerter Artikel: https://www.nzz.ch/meinung/kinder-sind-ein-ego-projekt-ld.1329040  Die Quintessenz: Keine Kinder zu haben, kann egoistisch motiviert sein – Kinder zu haben aber auch! Nun überlege ich: Könnte da etwas dran sein – bzw. ist Kinder in die Welt zu setzen, tatsächlich immer etwas Gutes? Gleich vorneweg: Ich will niemandem die Elternschaft madig machen oder mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich keine Mutter bin (so ganz freiwillig war die Entscheidung bei mir auch nicht). Aber der Artikel bringt harte Fakten, die zwei der häufigsten Schwachsinnsargumente von Politikern sehr schnell als solche entlarven: 1) „Wir brauchen mehr Kinder, weil die Bevölkerung immer älter wird.“ –> Zitat 1: Wirtschaftswissenschafter haben festgestellt „«dass heute im Durchschnitt ein Kind über sein ganzes zukünftiges Leben gerechnet mehr Leistungen und Transfers vom Staat erhält, als es an ihn mit all seinen Steuern und Abgaben bezahlt». Klar, sie studieren ja auch viel länger als früher, sind öfter arbeitslos – oder eben in Elternzeit . –> Zitat 2: «Gegen die Logik, mehr Kinder für die Finanzierung der Altersvorsorge zu haben, spricht aber auch eine einfache rechnerische Überlegung: Es müssten nämlich mit der Zeit immer noch mehr Kinder gezeugt werden, um eine stetig wachsende und älter werdende Bevölkerung zu finanzieren beziehungsweise zu pflegen – ein Schneeballeffekt, der eine exponentiell ansteigende Einwohnerzahl zur Folge hätte, eine Schraube ohne Ende.» Richtig. Das letzte, was die Erde braucht, sind noch mehr Menschen. Selbst in Europa, wo wir vergleichsweise wenige sind, kriegt man in manchen Ballungszentren schon Platzangst und wird das letzte grüne Fleckchen mit hässlichen Betonklötzen zugebaut. Lebensqualität ist was anderes 🙁. Über die Folgen für Umwelt und Klima brauchen wir ganr nicht zu diskutieren. Natürlich haben wir Europäer weniger Kindern. Dafür verbraucht einer von uns soviel Energie und pustet soviel CO2 in die Luft wie zehn Afrikaner. 2) „Wenn wir nicht mehr Kinder bekommen, stirbt unser Volk irgendwann aus und der Migrationsdruck wird zu groß“. Also, die Deutschen/Schweizer/Europäer sterben ganz bestimmt nicht aus . Die große Mehrheit der Leute möchte ja Kinder. Schließlich liegt es in unserer Biologie, dass wir uns fortpflanzen. Die Entscheidung, ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen, ist reine Kopfsache. Kinder kriegen ist ein Urinstinkt. Und was den Migrationsdruck angeht: Der besteht so oder so und hört erst auf, wenn das Elend in bestimmten Regionen der Welt aufhört. Wer zuhause im Dreck lebt und sein Glück im Auswandern sucht (oder flüchten muss, weil sich die Leute im eigenen Land gegenseitig die Köppe einschlagen), wird sich einen feuchten Furz darum kümmern, ob die Bevölkerungsdichte im Gelobten Land noch unter der WHO-Toleranzgrenze liegt. Selbst wenn wir unsere Geburtenrate pushen und jede Frau die „nötigen“ 2-3 Kinder bekommt, können wir mit dem nahen Osten oder Afrika niemals mithalten: Dort bekommt eine Frau durchschnittlich 6-10 Kinder. Also zurück ins 19. Jahrhundert und kalben gegen Afrika? Nicht euer Ernst, Leute . Sollte man nun die staatlichen Leistungen für Familien mit Kindern zurückschrauben, wie die Autorin des Artikels meint? Schwierige Frage … jein. Fakt ist leider, dass durch höhere Sozialleistungen letztendlich nur die Vermehrung der Fliesentischbesitzer-Klasse gefördert wird. Wegen 200 € Kindergeld und ein paar Steuervorteilen wird sich eine gut gebildete und gut verdienende Frau nicht dazu hinreißen lassen, ihre Karriere und ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen. Selbst wenn sie sich eigentlich Kinder wünscht. Die wenigsten kinderlosen Frauen über 40 kommen mit der Einstellung „Babys sind scheiße und ich würde lieber 3 mal im Jahr in den Urlaub fliegen“ auf die Welt. Meistens fehlt (wie bei mir) im passenden Alter der passende Partner und/oder die finanzielle Sicherheit. Mit Ü40 fühlt sich frau meistens zu alt für den Spaß oder meinst, ihr Leben sei auch ohne Kinder schon stressig genug (was ich TOTAL nachvollziehen kann ). Wenn dem Staat bzw. der Gesellschaft etwas an Kindern liegt, sind ganz andere Maßnahmen gefragt, als noch mehr Geld in die Sozialkassen zu pumpen: 1) Hirnrissige Gesetze wie das Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen. Wenn sich Nachwuchs-Akademiker im um die 30 von einem befristeten Job/Praktikum/Lehrauftrag zum nächsten hangeln müssen, zeugen sie in der Zeit eher keine weiteren Nachwuchs-Akademiker, obwohl sie gerade im besten Alter wären. 2) Dafür sorgen, dass die Mieten und die Preise für Lebensnotwendige Dinge nicht ständig explodieren! Vor ein paar Jahrzehnten war es noch möglich, mit einem Einkommen locker eine vierköpfige Familie zu ernähren. Heute geht von zwei Einkommen eines Paares die Hälfte für Miete und Fixkosten drauf. Dass einer von beiden für ein paar Jahre zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet, um mehr Zeit für die Kinder zu haben, können sich nur noch Großverdiener leisten. Klassische Rollenverteilung ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Doppelbelastung mit Vollzeit-Job und Kindern macht vielen Menschen (speziell Frauen) nach und nach kaputt. Ganz besonders Alleinerziehende. Naturlich ist es Glückssache, ob man den passenden Partner findet – aber unter diesen Unständen kommt keine Frau überhaupt auf die Idee, dass es evtl. auch ohne Partner geht. Meine Mutter war alleinerziehend (und zwar aus freier Entscheidung), und kam damit prima zurecht. Heute würde das kaum noch jemand wagen. 3) Damit aufhören, bestehende Familienstrukturen kaputt zu machen, weil die Leute ständig für den Job umziehen müssen. Wenn die Oma zu weit weg wohnt, um als Babysitter einzuspringen, und man in der fremden Stadt auch sonst niemanden gut genug kennt und eine Nanny zu teuer wäre, rät der gesunde Menschenverstand eher von der Vermehrung ab. Das Gleiche gilt auch, wenn Oma und Opa bis 70 arbeiten müssen. Woher sollen sie dann noch die Zeit und Energie für ihre Enkelkinder nehmen? Übrigens kam meine Mutter nur deshalb so gut klar, weil meine Oma im selben Haus gewohnt hat – und mit 60 in Rente gehen durfte. Ja, Kinder sind unsere Zukunft. Aber wenn die Menschheit nicht lernt, umzudenken, sehe ich für die Zukunft schwarz .

erlebt

Frohes Neues Jahr

Prosit Neujahr! Ich erwarte erst mal nix von 2018, und hoffe nur dass es besser weitergeht als das alte Jahr aufgehört hat. Für mich lief 2017 gar nicht mal schlecht, nur die letzten 2 Tage bomben den Gesamteindruck leider ziemlich in den Keller . Zu den Highlights des Jahres gehören auf jeden Fall mein Wonder-Woman-Cosplayprojekt (und alle Converntions, auf denen es zusammen mit Superman erprobt wurde ^^), mein unbefristeter Arbeitsvertrag, die Barcelona-Reise, mein Umzug in ein neues Büro und Weihnachten (zumal es das letzte mit unserem Tiger war. ) Ich gebe zu, heute um Mitternacht haben wir – um von der Trauer wegen dem Kater abzuschalten – ein kleines Hangover veranstaltet. Mit so schön bescheuerten Aktionen wie – Als Superman und Lois Lane die Havelpromenade entlang spazieren; – Wildfremde Leute umarmen; – Eine Rentner-Silvesterparty im Hotel Arcona crashen und zu Schlagermucke über die Tanzfläche zu wirbeln (sehr zur Freude der anwesenden Omis). Heute haben wir erst mal Franks Schlüssel gesucht, den er besoffenerweise in einen seiner Superman-Stiefel geschmissen hatte . Und nun gehts, um das neue Jahr standesgemäß einzuläuten, noch mal in Star Wars – Episode 8. Mein guter Vorsatz fürs neue Jahr ist, wieder produktiver zu werden, v.a. schreibtechnisch. Aber unser erste Projekt heißt erst mal: neue Kätzchen. Unsere Miezie eignet sich beim besten Willen nicht als „Single“ – und vielleicht wäre sie gerne wieder Mama von zwei süßen Katzenbabys … Euch alles ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

erlebt

R.I.P. Tiger

R.I.P. Tiger Mautzemann 🙁. Heute bist du ganz plötzlich und unerwartet von uns gegangen. Heute früh hast du uns noch die Wurst vom Brot geklaut, heute Mittag hast du Spinnen unterm Bett gejagt … und heute abend, als wir vom Essen kamen, lagst du röchelnd neben dem Katzenklo und dein kleines Herz hat aufgehört zu schlagen 😢. Unser einziger Trost ist, dass du bis auf die letzten paar Minuten deinen Spaß am Leben hattest, noch ein schönes Weihnachten mit jeder Menge Leckerlies erlebt hast, 16 Jahre lang geliebt und verwöhnt wurdest. Ich vermisse dich jetzt schon so sehr, dass es weh tut. Wenn wir morgen am Frühstückstisch sitzen und unsere Wurst zum ersten Mal alleine essen dürfen … wenn niemand mehr unsere Teller mit der Zunge vorspült … wenn wir ins Bett gehen und niemand neben uns schnurrt, bis das Schnurren in Schnarchen übergeht … Wenn Miezie niemanden mehr hat, den sie ärgern kann oder dem sie Nasenküsschen gibt … wenn nicht mehr zwei Katzen in der Küche um die Wette fressen, sondern nur noch eine … kein Miez-Rentnerpaar mehr unsere Couch belagert, so dass kein Mensch mehr Platz … dann kann ich trotzdem nicht noch nicht fassen, dass du nicht mehr da sein sollst! Du warst so lebendig und frech bis zum Schluss … Tschüss mein kleiner Freund, wir werden dich nie vergessen! Ich hoffe, es gibt Hähnchenschinken auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Oder vielleicht spülst du jetzt die Teller von Bud Spencer vor … In ewiger Liebe, Adriana, Frank & Miezie 😽.

nachgedacht

Die Seifenblase, in der wir leben

Kaum zu glauben – ausgerechnet ich schreibe einen Blogbeitrag zu einem Song von Katy Perry. Ich, die schon mit 16 der Meinung war, dass die Mainstream-Popmusik seit Mitte der Neunziger für die Mülltonne ist (von ein paar Ausnahmen wie Bonjovi, Roxette oder Meatloaf abgesehen – aber das waren auch alles Relikte aus den 80ern). Ich, die ihren MP3-Player fast ausschließlich mit Metal und Celctic-Mystery-Zeugs vor dem Verhungern gerettet hat. Nun befasse ich mich ernsthaft mit einem Song von Katy Perry. Daran ist natürlich ein Mann schuld ;). Mein Verlobter, der eines Tages mit einem Ohrwurm nachhause kam: „Irgendsoein neues Lied von Katy Perry, die dudeln das bei mir auf Arbeit mindestens fünf Mal am Tag, ich versteh nur ‚piep, piep‘ und ‚dance, dance‘.“ Er hatte diesen Eindruck nicht etwa, weil sein Englisch unter aller Sau wäre (ist es nicht), sondern weil das eben so ein typischer Popsong ist, bei dem man nicht so genau hinhören muss. Dachten wir jedenfalls. Dann sind wir zufällig auf den Songtext gestoßen und waren positiv überrascht, dass es gar nicht um Partys oder eine verkorste Liebesbeziehung geht. Es geht um nicht weniger als den gruseligen Status Quo der westlichen Gesellschaft: Wir leben in einer Blase, die jeden Moment platzen kann. Vielleicht sind wir die letzte Generation, die noch ein „normales“ Leben führen darf, Party machen darf, auf dem Vulkan tanzen, bevor er hoch geht … Natürlich hoffen wir, dass wir nicht mehr mitbekommen, wie er hochgeht. Dass dieser Tag selbst für unsere Kinder noch fern ist. Aber wir wissen tief im Inneren, dass es passieren kann, paasieren wird. Der Klimawandel scheint kaum noch aufzuhalten, Plastikmüll überschwemmt die Weltmeere, Islamisten zündeln an jeder Ecke, Menschen verhungern in Afrika, Kinder schuften unter unsäglichen Bedingungen für unsere KiK-T-Shirts. Unsere komfortable Blase schützt uns schon lange nicht mehr vor diesen bedrohlichen Fakten – jedenfalls nicht immer. Aber meistens können und wollen wir nicht darüber nachdenken, weil Job und Familie unsere Hirnkapazität zu fast 90% auffressen und der Rest für die Planung von Urlaub und Partys gebraucht wird. Der weiße Zaun um das Spießerparadies wird mit den Jahren immer enger. Wir sind gefangen im sogenannten normalen Wahnsinn, gebunden an den Rhythmus wo man leider mit muss. Das Video zeigt uns Menschen in retro-futuristischen, grellbunden Outfits, die wie ferngesteuerte grinsende Zombies durch eine Art Freizeitpark taumeln, während pastellfarbene Einfamilien-Häuschen an einem Kettenkarussell durch die Luft gewirbelt werden. Zuckerwatte hat die Form von Atompilzen, alles ist Unterhaltung und Spaß und passt damit zum heutigen Zeitgeist. Der Clip ist schräg und durchaus künstlerisch, manchmal sogar unterschwellig verstörend – aber so inszeniert, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Lieder scheint auch Katy Perry an ihren eigenen Rhythmus gekettet zu sein, denn wenn dieser Song beweisen soll, das tiefgründige Lyrics und Disco-Pop zusammenpassen, ist das Experiment leider gescheitet. Der Rhythmus hält den Text gefangen, so dass er keine Chance hat, seine Wirkung zu entfalten. Oder erst in einer guten Cover-Version, von einer Sängerin, die nicht die Hälfte aller Silben verschluckt. Doch warum versteckt man einen tiefgründigen Songtext in einem – wie meint Freund so schön sagt – „Piep-Piep-Lied“? Hat Katy Perry etwa Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen? Oder haben sie und ihre Songschreiber gehofft, dass subversive Botschaften am besten durch Disco-Beats ins Hirn gehämmert werden? Wenn das Hirn nach dem fünften Caipi noch aufnahmefähig ist, könnte das eventuell funktionieren.   Hier geht’s zur deutschen Übersetzung: http://www.songtexte.com/uebersetzung/katy-perry/chained-to-the-rhythm-deutsch-5bd617f0.html