nachgedacht

„Verschwörungs-Schwurbler“ ist das neue Nazi

Vor ein paar Monaten war das Bild der sogenannten „Verschwörungs-Schwurbler“ noch ein ziemlich klares: Das sind eine Handvoll Bekloppte, die sich mit Aluhut auf’m Kopp im Keller verkriechen oder mit Gasmaske durch die Stadt laufen, weil sie glauben, dass die Regierung (unterwandert von Illuminati, Reptiloiden, Bill Gates und dem fliegenden Spaghetti-Monster) uns mit Chemtrails vergiften will, damit wir nicht mehr klar denken können. Ansonsten würden wir ja alle sofort erkennen, dass die Erde in Wirklichkeit flach ist, und wir in Wirklichkeit in einem riesigen Terrarium gehalten werden, damit Aliens uns für ihre fiesen Experimente benutzen können. Tatsächlich gibt es Irre, die an so etwas glauben. Und jeder normal Denkende hat sich darüber lustig gemacht. Jetzt kursieren rund um das neuartige Corona-Virus auch wieder allerhand bizarre Verschwörungsmythen, wie zum Beispiel: COVID19 ist ein Vorwand, um eine neue Weltordnung inkl. Sozialismus und Überwachungsstaat aufzubauen (Absolut logisch, weil die einzelnen Staaten, obwohl sie teilweise kurz vom Krieg stehen, sich plötzlich total einig sind, wie man das Volk verarscht und wie diese ominöse neue Weltordnung aussehen soll – Ironie off ;)). COVID19 ist eine Erfindung der Pharmaindustrie, um teure Plazebo-Medikamente und Impfstoffe zu verkaufen (Obwohl man davon ausgehen kann, dass die Politik stark von Lobbyisten beeinflusst ist, steht nicht allein die Pharma-Industrie auf dem Parkett. Andere Wirtschaftszweige – die eindeutigen Verlierer dieser Krise – wären sicher Sturm gelaufen, wenn im Vorfeld bekannt geworden wäre, dass hier eine Pandemie „erfunden“ werden soll, um einen Shutdown zu provozieren). Bill Gates hat das Virus auf die Menschheit losgelassen, um die Weltbevölkerung zu reduzieren und uns allen seinen Impfstoff inkl. Mikrochip in den Arsch zu jagen, damit wir besser überwacht werden können (Die Machenschaften von Bill Gates mögen nicht immer sauber gewesen sein – aber auch hier stellt sich die Frage: Was hätte er davon? Meines Wissens ist er Kapitalist und kein Imperator ;)). Last but not least: Corona gibt es gar nicht, es ist nur ein Vorwand, um gequälte Kinder aus irgendwelchen Höhlen zu befreien, wo ihnen von der Hollywood-Elite Blut als Verjüngungsmittel abgezapft wird. Ausgerechnet Trump soll diese armen Kinder bei seinem Kreuzzug des Lichts befreien, während wir unter dem Vorwand der Quarantäne zu Hause hocken und nichts mitkriegen (Ähm, ja … da hat wohl jemand zu viele schlechte Horrorfilme gesehen. Wer den Quatsch genauer erklärt haben will, fragt bitte Xavier Naidoo – mir ist das zu blöd). In der Tat halte ich nichts von diesem ganzen Quatsch und bin überzeugt, dass SARS-Cov-2 ein hochgradig ansteckendes, gefährliches und heimtückisches Virus ist, das eingedämmt und bekämpft werden muss. Genauso dachte zwischen Februar und März 2020 ein Großteil der Weltbevölkerung: „Stay at Home“ und Social Distancing wurde von vielen Leuten schon betrieben, bevor es die entsprechenden staatlichen Verordnungen gab (bestätigt sogar Herr Drosten). Auch mein Mann und ich gehören zu denjenigen, die Abstand gehalten und beim Einkaufen Mundschutz getragen haben bevor es zur Pflicht wurde. Anfang des Jahres hatten wir die Masken noch aus Kaffeefiltern gebastelt, weil es nirgendwo welche zu kaufen gab. Warum? Weil die Übertragung von Mensch zu Mensch (v.a. durch Tröpfchen-Infektionen) zu den wenigen gesicherten Erkenntnissen gehört, die wir über dieses scheiß Virus haben. „Stay at Home“ war einfach naheliegend, als die Infektionswelle im Februar/März galoppiert ist, als in China und Italien Patienten gestorben sind wie die Fliegen. Da gab es einen Virus, der nicht kontrollierbar war, und sich innerhalb von zwei Wochen um die ganze Welt verbreitet hat. Natürlich wollten wir (bis auf wenige Ignoranten, die die Gefahr nicht ernst genommen haben), von der Pandemie nicht überrollt werden, und uns war beinahe jedes Mittel recht, um dieses komische neue Virus einzudämmen, bevor es eine Zombie-Apokalypse auslöst. Inzwischen zeigen die Zahlen vom Robert Koch Institut (RKI), dass die Infektionskurve schon kurz vor dem Lockdown auf das heutige Level gefallen war und mittlerweile zwischen 0.7 und 1 vor sich hin dümpelt. Dadurch werden wohl viele Leute ungeduldig und meinen, die Pandemie sei schon Geschichte. Ich denke, dass weiterhin Vorsicht angebracht ist, aber bei den Maßnahmen steckt, wie so oft, der Teufel im Detail: Möglichst zu Hause bleiben, Sozialkontakte begrenzen und Abstand halten ist im Prinzip richtig – aber wenn zwei Leute aus dem selben Haushalt auf der Wiese Picknick machen, kriegen sie Ärger mit dem Ordnungsamt, obwohl in fünf Meter Umkreis kein anderer Mensch zu sehen ist. Was soll das bitte? Erklärung: Wo ein oder zwei Menschen sich niederlassen, könnten ja noch andere hinzukommen. Jetzt ernsthaft: Wer von euch hat sich irgendwann einfach-mal-so zu wildfremden Menschen auf die Wiese oder auf die Parkbank gesetzt? Und selbst wenn jemand auf so eine komische Idee kommt, würde ich ihn freundlich bitten, Abstand zu halten. Ich könnte dieses Ordnungsamt-Bullshit-Bingo unendlich fortführen, aber ich lasse es lieber … Dann postest du ein derartiges Erlebnis z.B. in einer Facebook-Gruppe und erntest sofort einen Shirtstorm, weil du so ein egoistisches A***loch bist, das sich nicht an die Maßnahmen hält und das Leben von allen gefährdet. Frustriert scrollst du weiter und liest in derselben Gruppe, wie jemand voller Stolz berichtet, seine 70-jährige Nachbarin angeschwärzt zu haben, weil sie verbotenen Besuch von ihren Enkeln hatte. Natürlich mit bester Absicht im Sinne der Pandemie-Eindämmung. Oder noch schlimmer: Du äußerst Zweifel an einigen Maßnahmen, weil du in deinem eigenen Umfeld mitbekommst, was der Lockdown anrichtet: psychisch, sozial, wirtschaftlich … Dabei geht es nicht um Kevin und Schantalle, die jetzt angefressen sind, weil sie dieses Jahr nicht zur Ballermann-Party fliegen können. Es geht mir auch nicht um mich selbst, denn ich habe keinen Grund zum Jammern: Wir sind nicht – wie die Italiener – in den eigenen vier Wänden eingesperrt, sondern können wenigstens noch spazieren gehen. Dazu wohnen wir in einer sehr hübschen Gegend, haben eine große Wohnung mit Garten und Hobbys, denen man auch als Stubenhocker nachgehen kann. Ich kann meinen Job weiter ausüben (und Homeoffice hat durchaus seine Vorteile). Ab und zu gehen mir die Katzen bei der Arbeit auf den Senkel, aber wenigstens muss ich die nicht homeschoolen ;). Was Eltern im Homeoffice gerade durchmachen, kann ich nur ahnen (bzw. manchmal klagen mir Freunde und Kollegen ihr Leid). Bei einigen mag es mit dem Homeschooling prima klappen – aber viele andere stehen kurz vorm Burnout (https://www.n-tv.de/wissen/Studie-Viele-Eltern-am-Ende-ihrer-Kraefte-article21747530.html?fbclid=IwAR0K287UY-Y_J1_cTVQHRubprlN7RuBRB20Bl7DxMT9C9JOaSeRPGwRNUbk). Wenn Politiker euphemistisch von „besonderen Herausforderungen“ oder „genervten Eltern“ sprechen, kommt mir echt die Galle hoch! Steckt euch dieses Geschwafel sonst wo hin – hier drohen Familien kaputt zu gehen, Kinder verpassen Bildungschancen oder nehmen sogar ernsthaften seelischen Schaden (genügend Beispiele gibt es z.B. hier: https://www.echtemamas.de/echte-geschichten/ ). Die „Keimzellen unserer Gesellschaft“ sind vielerorts in ernster Gefahr – aber die Politik nimmt das Problem scheinbar nicht ernst genug. Corona trifft knallhart die Schwächsten: einerseits rafft das Virus vor allem Alte und Kranke dahin, andererseits treibt der Lockdown sozial Schwache in den Ruin, psychisch Kranke gehen an der Einsamkeit und Verunsicherung kaputt und manche Pflegeheim-Bewohner würden lieber an Corona sterben, als ihre Kinder und Enkel nie wieder zu sehen (https://www.rnd.de/gesundheit/corona-ist-mir-egal-warum-helga-witt-kronshage-86-lieber-sterben-will-als-eingesperrt-zu-sein-3MEBDIOBEFA6BDULC4N5WGZJG4.html) Dazu kommen noch die wirtschaftlichen „Kollateralschäden“, wegen denen jetzt schon mancher Arsch auf Grundeis geht. Aber wenn sich jemand – egal, ob Politiker, Promi, Experte oder Bürger – Sorgen um die Wirtschaft macht, wird ihm sofort unterstellt, er hätte nur Dollarzeichen in den Augen und würde diese über das Leben von Menschen stellen. Dabei braucht man nur zu googeln, wie viele Menschenleben die große Wirtschaftskrise 1929 forderte – allein durch Selbstmorde. Die UNO warnt bereits jetzt vor weltweiter Kinderarmut infolge der Corona-Krise (https://www.domradio.de/themen/soziales/2020-04-13/bedrohung-der-grundversorgung-unicef-warnt-vor-folgen-der-corona-pandemie-fuer-kinder-weltweit). „Die Wirtschaft“ ist kein abstraktes Monstrum in einem Goldtresor – sie wird gestützt von Menschen, für die ein wirtschaftlicher Zusammenbruch gleichzeitig einen Zusammenbruch ihrer Existenz bedeutet: Kleine Selbständige, Mittelständische Unternehmer, Freelancer, Künstler … selbst die Großkonzerne leiden und müssen Mitarbeiter entlassen. Das RKI hat vor einiger Zeit festgestellt, dass sich bei Arbeitslosigkeit der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert (https://www.rki.de/EN/Content/Health_Monitoring/Health_Reporting/GBEDownloadsT/arbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile) Leider finde ich keine RKI-Hochrechnung, was ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit für unser Gesundheitssystem bedeuten würde. Überhaupt, Gesundheit: Das höchste Gut, das eigentlich gerade in diesen Zeiten absolute Priorität haben sollte. Trotzdem habe ich Angst, dass die momentane Fixierung unseres Gesundheitssystems auf Corona genau das Gegenteil bewirkt. Es werden nicht nur Operationen aufgeschoben, die möglicherweise Leben retten könnten. Die Leute gehen auch deutlich seltener zum Arzt (z.T., weil sie von ihren Ärzten, die nur noch Notfällen behandeln, abgewiesen werden), und verschleppen dadurch Krankheiten. Ich möchte COVID19 absolut nicht verharmlosen. Es ist neu, unerforscht, kann schnell tödlich verlaufen, es sind noch nicht alle Verbreitungswege geklärt und die Folgeschäden ebenfalls nicht. Es können Thrombosen auftreten, die zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenembolien führen. Außerdem kann das körpereigene Immunsystem freidrehen, so dass am Ende nicht einmal künstliche Beatmung hilft. Mir ist auch klar, dass man nicht über 70 sein muss, um zur Risikogruppe zu gehören. Ich habe selbst manchmal – stressbedingt – zu hohen Blutdruck und fühle mich alles andere als sicher. Ein harmloser Schnupfen, der bestenfalls halbtote 90jährige killt, ist dieses Virus jedenfalls nicht. Trotzdem hätte ich gern eine Statistik, wie hoch die tatsächliche Wahrscheinlichkeit ist, an Corona zu sterben – z.B. im Vergleich zu Krebs. Doch selbst ohne Statistik habe ich, ehrlich gesagt, mehr Angst vor Krebs. Vor Corona kann man sich wenigstens noch halbwegs schützen, indem man die notwendigen Abstands- und Hygieneempfehlungen einhält. Aber was willst du dagegen tun, dass täglich Millionen Zellen in deinem Körper entarten? Normalerweise putzt deine körpereigene Polizei namens Immunsystem den Müll wegen. Durch ständigen Stress, Angst, Depressionen, Schlafstörungen etc. kann diese „Polizei“ jedoch stark geschwächt werden. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Wer sich also besorgt fragt, ob ein monatelanger Lockdown evtl. schlimmeren Schaden anrichtet als das Virus selbst, schwurbelt nicht. Wer sich eine umfassende Meinung bilden will und auch andere Quellen als die etablierte Presse zu Rate zieht, schwurbelt nicht. Besserwisser-Blogs von stolzen Absolventen der Youtube-University zu teilen, ist natürlich grenzwertig, aber es kommt auch darauf an, ob tatsächlich Fake News verbreitet werden. Ich bin alternativen Medien gegenüber immer etwas misstrauisch, weil sie oft von Amateuren betrieben werden, die es mit der Überprüfung ihrer Quellen nicht so genau nehmen. Ja, es sind auch Rechte und Verschwörungstheoretiker darunter – aber nicht alle verbreiten rechten Verschwörungs-Mist. Ich bin generell dafür, alles im Internet kritisch zu hinterfragen. Allerdings ist die Berichterstattung in den etablierten Medien ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Einer meiner Professoren an der Uni Potsdam war der Überzeugung, dass man sich nur dann eine fundierte politische Meinung bilden kann, wenn man täglich verschiedene Zeitungen aus verschiedenen politischen Lagern liest: FAZ, Welt, taz, Spiegel – sogar Neues Deutschland und Junge Freiheit. Ja, Ende der Neunziger hat so ein Tipp durchaus noch Sinn gemacht … Aber inzwischen fällt es mir echt schwer, diese Zeitungen (bis auf die beiden letztgenannten) einem politischen Lager zuzuordnen (außer, dass sie alle mehr oder weniger regierungsfreundlich berichten). Auch die vermittelten Informationen unterscheiden sich kaum noch voneinander. Wer sich also zur Abwechslung eine gänzlich andere Perspektive reinziehen will, kommt um „alternative Medien“ nicht herum. Aber warum spielt es so eine große Rolle, wie sich jemand informiert? Natürlich kann man über die Seriösität mancher Quellen streiten. Man kann jemanden warnen, wenn man das Gefühl hat, er lässt sich zu tief in diesen Verschwörungs-Dunstkreis reinziehen. Aber viele Leute machen sich die Mühe nicht, statt dessen wird sofort gepöbelt und entfreundet :(.  Wieso ist es nur so schwierig, trotz Meinung-Differenzen an einem Strang zu ziehen, um gemeinsam durch diese verdammte Pandemie zu kommen? Weshalb verflüchtigt sie sich so schnell, diese wunderbare Solidarität im Kampf gegen Corona? In Griechenland, wo viel früher härtere Maßnahmen ergriffen wurden und die Ausgangssperre jetzt erst gelockert wird, ist das scheinbar nicht der Fall … Dazu habe ich meine Theorien: Das anfängliche Verantwortungsbewusstsein ist in typisch deutsche Blockwart-Mentalität und Hexenjagd auf Corona-Sünder umgeschlagen. Dagegen regt sich früher oder später Widerstand. Naturgemäß verlassen sich die Menschen in Krisenzeiten stärker auf Vater Staat und Mutti Merkel – aber müssen sie sich deshalb gleich von mündigen Bürgern in Kinder verwandeln? Da gibt es die Braven, die keine eigene Meinung zu äußern wagen und sofort petzen, wenn jemand etwas Böses macht (z.B. Besuch empfangen oder in der Tram den Mundschutz nicht sofort aufziehen), und es gibt die Unartigen, die auf Teufel-komm-raus rebellieren müssen, selbst wenn sie damit sich und andere gefährden. Die überwiegende Mehrheit geht zwar immer noch vernünftig und verantwortungsvoll mit der Krise um – aber das wird weder gesehen noch gewürdigt, wenn die Kommunikation in den (A)sozialen Medien von 30 Jahre alten, 90 Kilo schweren Riesenbabys dominiert wird. Anfangs waren verschiedene Experten (Drosten, Streek, Kekule und noch einige andere) in den Medien präsent. Inzwischen wird Streek mehr oder weniger öffentlich zerlegt, von den anderen hört man fast nichts mehr. Wieder andere Ärzte und Wissenschaftler, deren Meinung nicht ganz dem Merkel-Mainstream entspricht, sind auf KenFM angewiesen, um sich überhaupt Gehör zu verschaffen. Dabei wäre es – gerade weil wir über dieses Virus so wenig wissen – absolut nötig, möglichst viele verschiedene Experten-Meinungen zu Rate zu ziehen! Stattdessen sehen wir in der Presse fast nur noch Drosten, von dem in letzter Zeit mehr Vermutungen und Warnungen anstelle von Fakten kommen. So was schmälert leider das Vertrauen vieler Bürger in die Regierung und die beratenden Experten. Das Meinungsklima in diesem Land ist seit mindestens fünf Jahren einfach nur noch zum Kotzen. Kritiker des Islam oder der Einwanderungspolitik werden sofort als Nazis abgestempelt, Kritiker der Corona-Maßnahmen als Verschwörungs-Schwurbler. Ich sage ganz bewusst Kritiker und nicht Gegner – für die Generation Schwarz-Weiß: das ist NICHT dasselbe! Anders erklärt: du bist im Prinzip für die Maßnahmen, wünschst dir aber ein Korrektiv an der einen oder anderen Stelle – PENG, wirst du als Corona-Leugner hingestellt. „Verschwörungs-Schwurbler“ ist also das neue Nazi – und niemand will ein Nazi sein, wenn er nicht aus tiefster Überzeugung einer ist. Also muss man sich mit einer abweichenden Meinung ständig beweisen, rechtfertigen und betonen, dass man COVID19 trotz aller Zweifel für ein gemeinen Killervirus hält … und irgendwann ist man es leid, weil viele Leute doch nur lesen, was sie lesen wollen. Man zieht sich zurück und hofft einfach nur noch, dass der ganze Spuk bald vorbei ist. Oder man denkt „Jetzt erst recht!“ – und geht unter die Corona-Rebellen. Das Muster von 2015 – als einige Linke sehr freimütig definiert haben, was ein Nazi ist – wiederholt sich. Die Reaktionen darauf auch. Also, wie kann man verhindern, dass die Stimmung kippt? Wie können wir durch diese schwere Zeit kommen, ohne uns in eine Gesellschaft von Psychopathen zu verwandeln? Aus meiner Sicht vor allem durch gegenseitiges Verständnis, Respekt und die Offenheit gegenüber verschiedenen Meinungen. Weniger Egoismus und Selbstgerechtigkeit, mehr Hilfsbereitschaft und Toleranz. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die sich nicht nur auf Zahlen und R-Werte fixiert, sondern auch die sozialen Folgen im Blick hat. Dann klappt’s auch wieder mit dem Zusammenhalt.

nachgedacht

Kinder – ein Ego-Projekt?

Vor einiger Zeit erschien in der Neuen Züricher Zeitung ein provokanter, aber durchaus lesenswerter Artikel: https://www.nzz.ch/meinung/kinder-sind-ein-ego-projekt-ld.1329040  Die Quintessenz: Keine Kinder zu haben, kann egoistisch motiviert sein – Kinder zu haben aber auch! Nun überlege ich: Könnte da etwas dran sein – bzw. ist Kinder in die Welt zu setzen, tatsächlich immer etwas Gutes? Gleich vorneweg: Ich will niemandem die Elternschaft madig machen oder mir selbst auf die Schulter klopfen, weil ich keine Mutter bin (so ganz freiwillig war die Entscheidung bei mir auch nicht). Aber der Artikel bringt harte Fakten, die zwei der häufigsten Schwachsinnsargumente von Politikern sehr schnell als solche entlarven: 1) „Wir brauchen mehr Kinder, weil die Bevölkerung immer älter wird.“ –> Zitat 1: Wirtschaftswissenschafter haben festgestellt „«dass heute im Durchschnitt ein Kind über sein ganzes zukünftiges Leben gerechnet mehr Leistungen und Transfers vom Staat erhält, als es an ihn mit all seinen Steuern und Abgaben bezahlt». Klar, sie studieren ja auch viel länger als früher, sind öfter arbeitslos – oder eben in Elternzeit . –> Zitat 2: «Gegen die Logik, mehr Kinder für die Finanzierung der Altersvorsorge zu haben, spricht aber auch eine einfache rechnerische Überlegung: Es müssten nämlich mit der Zeit immer noch mehr Kinder gezeugt werden, um eine stetig wachsende und älter werdende Bevölkerung zu finanzieren beziehungsweise zu pflegen – ein Schneeballeffekt, der eine exponentiell ansteigende Einwohnerzahl zur Folge hätte, eine Schraube ohne Ende.» Richtig. Das letzte, was die Erde braucht, sind noch mehr Menschen. Selbst in Europa, wo wir vergleichsweise wenige sind, kriegt man in manchen Ballungszentren schon Platzangst und wird das letzte grüne Fleckchen mit hässlichen Betonklötzen zugebaut. Lebensqualität ist was anderes 🙁. Über die Folgen für Umwelt und Klima brauchen wir ganr nicht zu diskutieren. Natürlich haben wir Europäer weniger Kindern. Dafür verbraucht einer von uns soviel Energie und pustet soviel CO2 in die Luft wie zehn Afrikaner. 2) „Wenn wir nicht mehr Kinder bekommen, stirbt unser Volk irgendwann aus und der Migrationsdruck wird zu groß“. Also, die Deutschen/Schweizer/Europäer sterben ganz bestimmt nicht aus . Die große Mehrheit der Leute möchte ja Kinder. Schließlich liegt es in unserer Biologie, dass wir uns fortpflanzen. Die Entscheidung, ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen, ist reine Kopfsache. Kinder kriegen ist ein Urinstinkt. Und was den Migrationsdruck angeht: Der besteht so oder so und hört erst auf, wenn das Elend in bestimmten Regionen der Welt aufhört. Wer zuhause im Dreck lebt und sein Glück im Auswandern sucht (oder flüchten muss, weil sich die Leute im eigenen Land gegenseitig die Köppe einschlagen), wird sich einen feuchten Furz darum kümmern, ob die Bevölkerungsdichte im Gelobten Land noch unter der WHO-Toleranzgrenze liegt. Selbst wenn wir unsere Geburtenrate pushen und jede Frau die „nötigen“ 2-3 Kinder bekommt, können wir mit dem nahen Osten oder Afrika niemals mithalten: Dort bekommt eine Frau durchschnittlich 6-10 Kinder. Also zurück ins 19. Jahrhundert und kalben gegen Afrika? Nicht euer Ernst, Leute . Sollte man nun die staatlichen Leistungen für Familien mit Kindern zurückschrauben, wie die Autorin des Artikels meint? Schwierige Frage … jein. Fakt ist leider, dass durch höhere Sozialleistungen letztendlich nur die Vermehrung der Fliesentischbesitzer-Klasse gefördert wird. Wegen 200 € Kindergeld und ein paar Steuervorteilen wird sich eine gut gebildete und gut verdienende Frau nicht dazu hinreißen lassen, ihre Karriere und ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen. Selbst wenn sie sich eigentlich Kinder wünscht. Die wenigsten kinderlosen Frauen über 40 kommen mit der Einstellung „Babys sind scheiße und ich würde lieber 3 mal im Jahr in den Urlaub fliegen“ auf die Welt. Meistens fehlt (wie bei mir) im passenden Alter der passende Partner und/oder die finanzielle Sicherheit. Mit Ü40 fühlt sich frau meistens zu alt für den Spaß oder meinst, ihr Leben sei auch ohne Kinder schon stressig genug (was ich TOTAL nachvollziehen kann ). Wenn dem Staat bzw. der Gesellschaft etwas an Kindern liegt, sind ganz andere Maßnahmen gefragt, als noch mehr Geld in die Sozialkassen zu pumpen: 1) Hirnrissige Gesetze wie das Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen. Wenn sich Nachwuchs-Akademiker im um die 30 von einem befristeten Job/Praktikum/Lehrauftrag zum nächsten hangeln müssen, zeugen sie in der Zeit eher keine weiteren Nachwuchs-Akademiker, obwohl sie gerade im besten Alter wären. 2) Dafür sorgen, dass die Mieten und die Preise für Lebensnotwendige Dinge nicht ständig explodieren! Vor ein paar Jahrzehnten war es noch möglich, mit einem Einkommen locker eine vierköpfige Familie zu ernähren. Heute geht von zwei Einkommen eines Paares die Hälfte für Miete und Fixkosten drauf. Dass einer von beiden für ein paar Jahre zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet, um mehr Zeit für die Kinder zu haben, können sich nur noch Großverdiener leisten. Klassische Rollenverteilung ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Doppelbelastung mit Vollzeit-Job und Kindern macht vielen Menschen (speziell Frauen) nach und nach kaputt. Ganz besonders Alleinerziehende. Naturlich ist es Glückssache, ob man den passenden Partner findet – aber unter diesen Unständen kommt keine Frau überhaupt auf die Idee, dass es evtl. auch ohne Partner geht. Meine Mutter war alleinerziehend (und zwar aus freier Entscheidung), und kam damit prima zurecht. Heute würde das kaum noch jemand wagen. 3) Damit aufhören, bestehende Familienstrukturen kaputt zu machen, weil die Leute ständig für den Job umziehen müssen. Wenn die Oma zu weit weg wohnt, um als Babysitter einzuspringen, und man in der fremden Stadt auch sonst niemanden gut genug kennt und eine Nanny zu teuer wäre, rät der gesunde Menschenverstand eher von der Vermehrung ab. Das Gleiche gilt auch, wenn Oma und Opa bis 70 arbeiten müssen. Woher sollen sie dann noch die Zeit und Energie für ihre Enkelkinder nehmen? Übrigens kam meine Mutter nur deshalb so gut klar, weil meine Oma im selben Haus gewohnt hat – und mit 60 in Rente gehen durfte. Ja, Kinder sind unsere Zukunft. Aber wenn die Menschheit nicht lernt, umzudenken, sehe ich für die Zukunft schwarz .

erlebt

Frohes Neues Jahr

Prosit Neujahr! Ich erwarte erst mal nix von 2018, und hoffe nur dass es besser weitergeht als das alte Jahr aufgehört hat. Für mich lief 2017 gar nicht mal schlecht, nur die letzten 2 Tage bomben den Gesamteindruck leider ziemlich in den Keller . Zu den Highlights des Jahres gehören auf jeden Fall mein Wonder-Woman-Cosplayprojekt (und alle Converntions, auf denen es zusammen mit Superman erprobt wurde ^^), mein unbefristeter Arbeitsvertrag, die Barcelona-Reise, mein Umzug in ein neues Büro und Weihnachten (zumal es das letzte mit unserem Tiger war. ) Ich gebe zu, heute um Mitternacht haben wir – um von der Trauer wegen dem Kater abzuschalten – ein kleines Hangover veranstaltet. Mit so schön bescheuerten Aktionen wie – Als Superman und Lois Lane die Havelpromenade entlang spazieren; – Wildfremde Leute umarmen; – Eine Rentner-Silvesterparty im Hotel Arcona crashen und zu Schlagermucke über die Tanzfläche zu wirbeln (sehr zur Freude der anwesenden Omis). Heute haben wir erst mal Franks Schlüssel gesucht, den er besoffenerweise in einen seiner Superman-Stiefel geschmissen hatte . Und nun gehts, um das neue Jahr standesgemäß einzuläuten, noch mal in Star Wars – Episode 8. Mein guter Vorsatz fürs neue Jahr ist, wieder produktiver zu werden, v.a. schreibtechnisch. Aber unser erste Projekt heißt erst mal: neue Kätzchen. Unsere Miezie eignet sich beim besten Willen nicht als „Single“ – und vielleicht wäre sie gerne wieder Mama von zwei süßen Katzenbabys … Euch alles ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

erlebt

R.I.P. Tiger

R.I.P. Tiger Mautzemann 🙁. Heute bist du ganz plötzlich und unerwartet von uns gegangen. Heute früh hast du uns noch die Wurst vom Brot geklaut, heute Mittag hast du Spinnen unterm Bett gejagt … und heute abend, als wir vom Essen kamen, lagst du röchelnd neben dem Katzenklo und dein kleines Herz hat aufgehört zu schlagen 😢. Unser einziger Trost ist, dass du bis auf die letzten paar Minuten deinen Spaß am Leben hattest, noch ein schönes Weihnachten mit jeder Menge Leckerlies erlebt hast, 16 Jahre lang geliebt und verwöhnt wurdest. Ich vermisse dich jetzt schon so sehr, dass es weh tut. Wenn wir morgen am Frühstückstisch sitzen und unsere Wurst zum ersten Mal alleine essen dürfen … wenn niemand mehr unsere Teller mit der Zunge vorspült … wenn wir ins Bett gehen und niemand neben uns schnurrt, bis das Schnurren in Schnarchen übergeht … Wenn Miezie niemanden mehr hat, den sie ärgern kann oder dem sie Nasenküsschen gibt … wenn nicht mehr zwei Katzen in der Küche um die Wette fressen, sondern nur noch eine … kein Miez-Rentnerpaar mehr unsere Couch belagert, so dass kein Mensch mehr Platz … dann kann ich trotzdem nicht noch nicht fassen, dass du nicht mehr da sein sollst! Du warst so lebendig und frech bis zum Schluss … Tschüss mein kleiner Freund, wir werden dich nie vergessen! Ich hoffe, es gibt Hähnchenschinken auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Oder vielleicht spülst du jetzt die Teller von Bud Spencer vor … In ewiger Liebe, Adriana, Frank & Miezie 😽.

nachgedacht

Die Seifenblase, in der wir leben

Kaum zu glauben – ausgerechnet ich schreibe einen Blogbeitrag zu einem Song von Katy Perry. Ich, die schon mit 16 der Meinung war, dass die Mainstream-Popmusik seit Mitte der Neunziger für die Mülltonne ist (von ein paar Ausnahmen wie Bonjovi, Roxette oder Meatloaf abgesehen – aber das waren auch alles Relikte aus den 80ern). Ich, die ihren MP3-Player fast ausschließlich mit Metal und Celctic-Mystery-Zeugs vor dem Verhungern gerettet hat. Nun befasse ich mich ernsthaft mit einem Song von Katy Perry. Daran ist natürlich ein Mann schuld ;). Mein Verlobter, der eines Tages mit einem Ohrwurm nachhause kam: „Irgendsoein neues Lied von Katy Perry, die dudeln das bei mir auf Arbeit mindestens fünf Mal am Tag, ich versteh nur ‚piep, piep‘ und ‚dance, dance‘.“ Er hatte diesen Eindruck nicht etwa, weil sein Englisch unter aller Sau wäre (ist es nicht), sondern weil das eben so ein typischer Popsong ist, bei dem man nicht so genau hinhören muss. Dachten wir jedenfalls. Dann sind wir zufällig auf den Songtext gestoßen und waren positiv überrascht, dass es gar nicht um Partys oder eine verkorste Liebesbeziehung geht. Es geht um nicht weniger als den gruseligen Status Quo der westlichen Gesellschaft: Wir leben in einer Blase, die jeden Moment platzen kann. Vielleicht sind wir die letzte Generation, die noch ein „normales“ Leben führen darf, Party machen darf, auf dem Vulkan tanzen, bevor er hoch geht … Natürlich hoffen wir, dass wir nicht mehr mitbekommen, wie er hochgeht. Dass dieser Tag selbst für unsere Kinder noch fern ist. Aber wir wissen tief im Inneren, dass es passieren kann, paasieren wird. Der Klimawandel scheint kaum noch aufzuhalten, Plastikmüll überschwemmt die Weltmeere, Islamisten zündeln an jeder Ecke, Menschen verhungern in Afrika, Kinder schuften unter unsäglichen Bedingungen für unsere KiK-T-Shirts. Unsere komfortable Blase schützt uns schon lange nicht mehr vor diesen bedrohlichen Fakten – jedenfalls nicht immer. Aber meistens können und wollen wir nicht darüber nachdenken, weil Job und Familie unsere Hirnkapazität zu fast 90% auffressen und der Rest für die Planung von Urlaub und Partys gebraucht wird. Der weiße Zaun um das Spießerparadies wird mit den Jahren immer enger. Wir sind gefangen im sogenannten normalen Wahnsinn, gebunden an den Rhythmus wo man leider mit muss. Das Video zeigt uns Menschen in retro-futuristischen, grellbunden Outfits, die wie ferngesteuerte grinsende Zombies durch eine Art Freizeitpark taumeln, während pastellfarbene Einfamilien-Häuschen an einem Kettenkarussell durch die Luft gewirbelt werden. Zuckerwatte hat die Form von Atompilzen, alles ist Unterhaltung und Spaß und passt damit zum heutigen Zeitgeist. Der Clip ist schräg und durchaus künstlerisch, manchmal sogar unterschwellig verstörend – aber so inszeniert, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Lieder scheint auch Katy Perry an ihren eigenen Rhythmus gekettet zu sein, denn wenn dieser Song beweisen soll, das tiefgründige Lyrics und Disco-Pop zusammenpassen, ist das Experiment leider gescheitet. Der Rhythmus hält den Text gefangen, so dass er keine Chance hat, seine Wirkung zu entfalten. Oder erst in einer guten Cover-Version, von einer Sängerin, die nicht die Hälfte aller Silben verschluckt. Doch warum versteckt man einen tiefgründigen Songtext in einem – wie meint Freund so schön sagt – „Piep-Piep-Lied“? Hat Katy Perry etwa Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen? Oder haben sie und ihre Songschreiber gehofft, dass subversive Botschaften am besten durch Disco-Beats ins Hirn gehämmert werden? Wenn das Hirn nach dem fünften Caipi noch aufnahmefähig ist, könnte das eventuell funktionieren.   Hier geht’s zur deutschen Übersetzung: http://www.songtexte.com/uebersetzung/katy-perry/chained-to-the-rhythm-deutsch-5bd617f0.html